Ärzte Zeitung, 22.05.2013

Depressionen

Bluttest sagt Wirkung von Antidepressiva vorher

HANNOVER. Forscher fanden den ersten epigenetischen Marker, der das Therapie-Ansprechen bei Depressionen prognostiziert. Damit ließe sich der Effekt von Antidepressiva per Bluttest vorab klären, teilt die Medizinische Hochschule Hannover mit.

Der entdeckte Gen-Abschnitt ist für die Bildung des Wachstums-Proteins "Brain-derived-neurotrophic-factor" (BDNF) zuständig. Ist dort keine Methyl-Gruppe angehängt, wirken Antidepressiva nicht.

Bei Patienten, denen ein Antidepressivum hilft, war das BDNF zudem nach einer Woche gestiegen (Molecular Psychiatry 2013, online 14. Mai).

Die Forscher fanden, dass bei bei einigen Patienten an dem für die Bildung von BNDF zuständige Gen eine Methyl-Gruppe vorhanden war. Bei Patienten ohne diese "Methylierung" stieg die BDNF-Konzentration im Blut trotz Einnahme eines Antidepressivums nicht an und das Antidepressivum wirkte nicht.

Etwa jedem vierten Depressiven nützt kein Antidepressivum

"Diese Methyl-Gruppe entscheidet, ob das Gen abgelesen wird oder nicht - dieser so genannte epigenetische Mechanismus reguliert die Genaktivität", so Professor Dr. Helge Frieling, Oberarzt der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie in der Mitteilung.

"Bevor der Marker routinemäßig für Patienten eingesetzt werden kann, müssen die Ergebnisse in unabhängigen Patientengruppen bestätigt werden", so Privatdozent Dr. André Tadic, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.

Bei den Patienten, deren BDNF-Gen methyliert war, lag die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen ein Antidepressivum hilft, bei 60 Prozent. "Ob die Wirkung von der Art des Antidepressivums abhängt, werden wir in einer Folgestudie genauer untersuchen", sagt Professor Frieling.

Zudem arbeiten die Forscher daran, weitere epigenetische Biomarker zu finden, um die Vorhersage des Therapieerfolgs für den einzelnen Patienten zu präzisieren.

Rund einem Drittel der an Depression Erkrankten hilft das erste Antidepressivum, das sie einnehmen. Bei jedem weiteren Präparat sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es helfen kann. Etwa einem Viertel aller Depressiven nützt kein Antidepressivum. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Künstliches Pankreas punktet im Alltag

Ein „closed loop“ aus sensorgestützter Glukosemessung und Insulinpumpe kann die Stoffwechseleinstellung bei Diabetes deutlich verbessern, zeigt eine US-Studie auf. mehr »

Kontroverse um Spahns Gesetz für besseren Masernschutz

Der Bundestag hat in erster Lesung das geplante Masernschutzgesetz debattiert. Die Opposition kritisiert, das Gesetz atme zu viel Zwang und Sanktion. mehr »

Tuberkulose bleibt die infektiöse Todesursache Nummer 1

Inzidenz und Mortalität der Tuberkulose gehen einem WHO-Report zufolge weltweit zurück. Die für 2020 angestrebten Ziele sind trotzdem außer Reichweite. mehr »