Ärzte Zeitung für Neurologen/Psychiater, 02.05.2016

Bei Jugendlichen

Verhaltenstherapie als Prävention wirkt!

Oft beginnen Depressionen im Jugendalter - wenn Präventionsprogramme hier ansetzen, ist die Prognose vielversprechend. Das Zünglein an der Waage sind jedoch die Eltern.

Von Thomas Müller

Verhaltenstherapie als Prävention wirkt!

Eine Verhaltenstherapie zeigte bei depressiven Jugendlichen nur Wirkung, wenn deren Eltern nicht selbst von einer Depression betroffen waren.

© Alexander Raths / fotolia.com

PITTSBURGH/USA. Da viele Depressionen im Jugendalter beginnen, aber häufig noch subklinisch verlaufen, sind Jugendliche eigentlich eine gute Zielgruppe für Präventionsprogramme.

Das haben sich auch Psychiater um Dr. David Brent von der Pittsburgh University gedacht und vor einigen Jahren ein solches Programm mit kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) aufgelegt (Brent DA et al. JAMA Psychiatry 2015;72:1110-8).

Sie konnten damit die Depressionsinzidenz über drei Jahre hinweg deutlich senken. Wie jetzt eine Nachuntersuchung ergab, hing der Erfolg aber davon ab, ob die Eltern der Probanden zu Studienbeginn ebenfalls an Depressionen litten oder nicht.

An der Studie waren 316 Teenies im Alter von 13 bis 17 Jahren beteiligt. Alle hatten mindestens ein Elternteil mit einer Depressionshistorie.

Als weitere Voraussetzung mussten bei den Jugendlichen bereits erste depressive Episoden aufgetreten sein oder sie sollten aktuell subklinische Symptome zeigen. Jugendliche mit einer Major-Depression oder anderen psychischen Störungen bei Studienbeginn wurden ausgeschlossen.

Entscheidend sind die Eltern

Alle jugendlichen Teilnehmer bekamen die übliche medizinische Versorgung, die Hälfte wurde zusätzlich in das Präventionsprogramm aufgenommen und erhielt über zwei Monate hinweg jede Woche eine 90 Minuten dauernde Sitzung mit kognitiver Verhaltenstherapie.

Dabei lagen die Schwerpunkte auf kognitiver Restrukturierung und Problemlösestrategien, die mit praxisnahen Beispielen eingeübt wurden. Anschließend konnten die Teilnehmer des Präventionsprogramms über ein halbes Jahr hinweg jeden Monat an einer Auffrischsitzung teilnehmen.

Nach im Schnitt 75 Monaten Nachbeobachtungszeit - also etwas mehr als sechs Jahren - ließen sich noch 88 Prozent der Teilnehmer aufspüren und befragen. Depressionen wurden mit dem Longitudinal Interval Follow-up Evaluation (LIFE) erfasst.

Dabei geben die Teilnehmer an, wie häufig sie seit der letzten Befragung depressive Symptome hatten und wie schwer diese waren. Die Assessments erfolgten zu Beginn noch häufig (nach 3, 9 und 21 Monaten), danach aber nur noch selten (nach 33 und 75 Monaten).

Die Ergebnisse: Über sechs Jahre hinweg war die Depressionsinzidenz in beiden Gruppen relativ hoch: 62 Prozent mit KVT und 71 Prozent ohne, wobei der Unterschied nicht signifikant war.

Unter Berücksichtigung einer Reihe von Begleitfaktoren wie Alter, Geschlecht und Wohnort erkrankten die Personen in der KVT-Gruppe aber signifikant seltener (- 29 Prozent) an einer Depression als Teilnehmer der Kontrollgruppe. Es profitierten allerdings nur diejenigen, deren Eltern zum Studienbeginn keine depressive Episode hatten - das waren rund 55 Prozent.

In dieser Gruppe mit nicht depressiven Eltern war die Depressionsinzidenz der Jugendlichen in der KVT-Gruppe um fast die Hälfte geringer. Am größten war der Effekt in den ersten neun Monaten mit einer um 73 Prozent reduzierten Depressionsinzidenz in der KVT-Gruppe.

Zusätzliche Booster-Sitzungen

Dagegen gab es praktisch keine Unterschiede bei Teilnehmern mit einem depressiven Elternteil zu Studienbeginn: Von ihnen entwickelten jeweils rund 70 Prozent im Lauf der sechs Jahre eine Depression.

Und selbst in den ersten Monaten brachte eine kognitive Verhaltenstherapie bei den Jugendlichen nichts - ganz im Gegenteil, in der KVT-Gruppe gab es sogar mehr Depressive (+ 35 Prozent) als in der Kontrollgruppe, allerdings war diese Differenz ebenfalls nicht signifikant.

Der deutlichste Effekt der KVT zeigte sich in den ersten neun Monaten nach Studienbeginn - solange also noch Booster-Sitzungen stattfanden. Danach gab es in den Gruppen mit und ohne KVT praktisch keine Unterschiede mehr bei den neu auftretenden Depressionen.

 Dies spreche laut den Autoren dafür, Booster-Sitzungen über einen längeren Zeitraum anzubieten.

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