Ärzte Zeitung, 13.02.2004

Gute Potenz trotz Epilepsie-Therapie

Gibt es bei der Therapie Sexualprobleme, kann Umstellung auf Oxcarbazepin helfen

MÜNCHEN (wst). Durch eine medikamentöse Therapie werden zwei Drittel aller ambulant behandelten Epilepsiekranken anfallsfrei. Bei Patienten, die trotz Arzneien weiterhin Anfälle bekommen, ist häufig auch eine andere Erkrankung Ursache der Anfälle. Ein Teil der Männer ist auch nur non-compliant, weil die Medikation sexuelle Funktionsstörungen verursacht.

Wenn Patienten auf die Medikation nicht ansprechen, sollte immer auch an eine Fehldiagnose gedacht werden. Daran hat Professor Hermann Stefan vom Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg erinnert.

Der Neurologe präsentierte auf einer Veranstaltung des Unternehmens Desitin in München Studienergebnisse, wonach von 214 Patienten, die auf die Medikation nicht genügend ansprachen, stationär aufgenommen worden waren. Von diesen Patienten hatten immerhin 23 Prozent gar keine Epilepsie. Ihre Krampfsymptome waren auf vaskuläre, psychiatrische und sonstige Ursachen zurückzuführen.

Möglicherweise ist aber auch mangelnde Compliance die Ursache für das Nichtansprechen, etwa bei Patienten mit moderaten Anfällen, die nur nachts geschehen und die Patienten subjektiv wenig belasten. Aber auch solche Anfälle können einen kognitiven Leistungsabbau voran treiben, warnte Stefan.

Bei schlechter Compliance von Männern mit Epilepsie sollte zudem nach dem Einfluß der verordneten Medikation auf die Sexualität gefragt werden, so Dr. Gerhard Luef von der Neurologischen Universitätsklinik Innsbruck.

Luef nannte Beispiele von Patienten, die aufgrund sexueller Schwierigkeiten die Medikation abgesetzt hatten. Nach der Umstellung auf Oxcarbazepin (Timox®) besserte sich das Sexualleben der Patienten: Sie nahmen die Medikamente regelmäßig ein und wurden anfallsfrei. Oxcarbazepin habe den Vorteil, daß es kaum Leberenzyme induziert und somit auch nicht die Konzentration von freiem Testosteron reduziert.

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