Ärzte Zeitung, 08.07.2005

Epilepsie-Kranke können meist problemlos Sport treiben

Nur wenn Patienten häufig Anfälle haben, sollten sie Wassersport, Rad- und Skifahren meiden / Sport zu zweit erhöht die Sicherheit

FRANKFURT / MAIN (djb). Sport ist gesund - auch für Epilepsie-Kranke. Haben die Patienten maximal ein bis zwei fokale Anfälle pro Jahr, können sie uneingeschränkt Sport treiben. Bei häufigeren fokalen Anfällen oder Grand-mal-Anfällen sollte eine Begleitperson dabei sein.

Darauf hat Dr. Christian Lipinski von der SRH-Kinderklinik in Neckargemünd hingewiesen. So kann Sport bei Epilepsie-Patienten die Anfalls-häufigkeit senken, die Schmerzempfindlichkeit herabsetzen und die Stimmungslage bessern. Darauf weisen sportmedizinische Untersuchungen hin.

Sport erleichtert zudem die soziale Integration der Patienten und steigert das Selbstvertrauen. Das ist gerade auch bei Epilepsie wichtig, da Anfallskranke oft antriebs- und lustlos sind. Um sie zu einem aktiven Lebensstil zu motivieren, sollten Ärzte sie über passende Sportarten und Verhaltensregeln dabei informieren.

Da 60 bis 70 Prozent der gut medikamentös eingestellten Epilepsie-Patienten dauerhaft anfallsfrei bleiben, bestehe für die meisten Epilepsie-Kranken beim Sport keine erhöhte Verletzungsgefahr, sagte Lipinski bei einer Veranstaltung des Unternehmens ratiopharm zur Einführung seines Antiepileptikums Lamotrigin-ratiopharm®. Auch Arbeitsunfälle seien bei Epilepsie-Kranken nicht häufiger als bei Gesunden.

Bei maximal zwei fokalen Anfällen pro Jahr gebe es keinerlei Einschränkungen beim Sport, so Lipinski. Für Personen mit häufigeren Anfällen gelten folgende Empfehlungen: Für Epilepsie-Kranke, die fokale Anfälle ohne und mit Bewußtlosigkeit haben, ist Vorsicht bei Wassersport geboten - hier sollte auf jeden Fall eine Begleitperson dabei sein. Haben die Patienten eine lange Aura, bleibt meist genug Zeit, die Begleitpersonen zu informieren und sich selbst zu sichern.

Bei Patienten mit kurzer oder fehlender Aura sollte Wassersport vermieden werden, ebenso jede andere Sportart mit einer erhöhten Fremd- und Eigengefährdung oder mit erhöhter Sturzgefahr, etwa Fahrradfahren, oder Abfahrtski.

Patienten mit Grand-mal-Anfällen sollten besser zusammen mit einer in Erster Hilfe kundigen Begleitperson Sport treiben und ebenfalls Sportarten mit Fremd- und Eigengefährdung meiden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Kein Darmkrebs-Screening ab 45 Jahren

Der GBA lehnt die Senkung der Altersgrenzen beim Darmkrebs-Screening ab. Dagegen soll das organisierte Einladungsverfahren zur Früherkennung ab Juli 2019 starten. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »