Ärzte Zeitung online, 12.09.2009

Ehemaliger Bonner Arzt soll Studien zu Epilepsie gefälscht haben

BONN (dpa). Ein ehemaliger Mediziner der Universität Bonn soll eine viel zitierte Studie über Epilepsie gefälscht haben. Das habe der Direktor der Bonner Klinik für Epileptologie, Professor Christian Elger, herausgefunden. Die Daten seines ehemaligen Kollegen seien Grundlage für einen viel beachteten Artikel im Fachmagazin "Nature Genetics" von 2003 gewesen.

Der Mediziner habe "aktiv Ergebnisse gefälscht", sagte Elger dem "Spiegel". Der Fachartikel, der bereits fast 200 Mal zitiert wurde, sei in der aktuellen Ausgabe des Heftes zurückgezogen worden. Der Forscher sei bereits 2007 entlassen worden.

Dem Nachrichtenmagazin zufolge hatte ein internationales Forscherteam um den Bonner Mediziner eine genetische Mutation als eine der Ursachen für die Nervenkrankheit Epilepsie ausgemacht. Der nun des Betrugs beschuldigte Forscher habe allerdings dazu verwendete Blutproben mehrfach analysieren lassen und Angaben zu den untersuchten Patienten gefälscht. Unter anderem soll der Wissenschaftler Blutproben einer einzigen Person gleich mehreren Familienmitgliedern zugeordnet haben.

Der Betrug sei aufgefallen, da in anderen Forschungsgruppen die entsprechende Mutation nicht bei allen Betroffenen zur Epilepsie geführt hatte, berichtet der "Spiegel" weiter. Die Universität habe bereits intern zu dem Fall ermittelt. Weder die Hochschule noch der "Spiegel" habe den verantwortlichen Mediziner erreichen können, hieß es.

Das Projekt "Molekulare Analyse genetisch komplexer Epilepsien" war von der Volkswagenstiftung mit 1,16 Millionen Euro gefördert worden.

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