Ärzte Zeitung online, 01.10.2013

Epilepsie

Leben retten mit Überwachung

Bei Epilepsie-Anfällen kann es zum tödlichen Stillstand von Atmung und Herzschlag kommen. Die genaue Pathogenese wurde jetzt erstmals identifiziert.

FREIBURG. Durch eine bessere Überwachung von Epilepsie-Patienten ließen sich plötzliche anfallsbedingte Todesfälle mit Atmungs- und Herzstillstand häufig vermeiden, berichten europäische Forscher (Lancet Neurology 2013; 12: 966).

Solche plötzlichen anfallsbedingten Todesfälle (Sudden Unexpected Death in Epilepsy, SUDEP) sind die häufigste Todesursache bei erwachsenen Epilepsiepatienten, heißt es in einer Mitteilung des Epilepsiezentrums am Universitätsklinikum Freiburg, das an der Forschung beteiligt ist.

Besonders betroffen sind Patienten, die nicht auf Antiepileptika ansprechen; die meisten Todesfälle treten nachts im Schlaf in Bauchlage ein. Bislang waren aufgrund der schlechten Datenlage die genauen Abläufe unklar, die zu SUDEP führen.

Nun ist es Forschern um den Neurologen Professor Philippe Ryvlin (Lyon) gelungen, anhand von Aufzeichnungen aus Stationen mit Epilepsiepatienten in Europa, Israel, Australien und Neuseeland den Mechanismus des SUDEP zu beschreiben. Auch das Freiburger Zentrum steuerte Daten eines Patienten bei, der nach einem Atem- und Herzstillstand erfolgreich reanimiert werden konnte.

Insgesamt konnten die Forscher 25 Fälle von SUDEP oder Beinahe-SUDEP analysieren, die im Rahmen der Standardüberwachung von Hirn- und Herzaktivitäten mit Hilfe von Video-Elektroenzephalogramm (VEEG) und Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet worden waren.

Die Auswertung der VEEG- und EKG-Aufzeichnungen brachte ein eindeutiges Muster zutage: Auf einen Krampfanfall mit zunächst versteiften, dann symmetrisch zuckenden Extremitäten folgt eine Phase schneller Atmung mit 18 bis 50 Atemzügen pro Minute und ein Abflachen der Hirnaktivität. Innerhalb von drei Minuten kommt es daraufhin zu einem Atem- und Herzstillstand, der bei einem Drittel der erfassten Patienten tödlich endete.

Bei den übrigen Patienten setzten Atmung und Herzschlag nochmals ein; spätestens elf Minuten nach Ende des Krampfanfalls kam es jedoch zu dauerhaftem Atem- und Herzstillstand. Wurde innerhalb der ersten drei Minuten nach Eintreten des neuro-vegetativen Zusammenbruchs eine Reanimation eingeleitet, überlebten die Patienten.

"Eine bessere Überwachung von Epilepsiepatienten ist unbedingt notwendig, um rechtzeitig lebenserhaltende Maßnahmen einleiten zu können", wird Professor Andreas Schulze-Bonhage von dem Freiburger Zentrum in der Mitteilung zitiert.

Dies sei insbesondere in Phasen der Medikamentenumstellung wichtig: Bei der Mehrzahl der Patienten waren im Zuge ihrer klinischen Untersuchung antiepileptische Medikamente reduziert oder abgesetzt worden.

"Durch eine ständige Messung von Puls, Herzfrequenz oder Sauerstoffsättigung des Blutes können SUDEP-ähnliche Vorfälle frühzeitig erkannt und ihr tödlicher Ausgang verhindert werden", so Schulze-Bonhage. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »