Ärzte Zeitung, 21.09.2005

REM-Schlafstörung als Frühzeichen für Parkinson

Träume werden direkt in motorische Aktivitäten umgesetzt / Schwerpunktthema beim Neurologen-Kongreß

MARBURG (mar). Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung kann ein Frühsymptom für ein sich entwickelndes Parkinson-Syndrom sein, wie sich in den vergangenen Jahren herauskristallisiert hat. Schlafstörungen sind ein Schwerpunktthema beim 78. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der heute in Wiesbaden beginnt und noch bis zum Samstag dauert.

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung - sie tritt meist in der Altersgruppe der 50 bis 70jährigen auf - kann zwei bis acht Jahre vor dem Parkinson auftreten. Darauf hat Professor Felix Rosenow von der Neurologischen Universitätsklinik Marburg und Tagungssekretär des 78. Neurologen-Kongresses in Wiesbaden im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" hingewiesen.

    Die Patienten können sich und den Partner verletzen.
   

Normalerweise ist der Muskeltonus während des REM-Schlafes stark herabgesetzt. Nicht jedoch bei Patienten mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Sie setzen das, was sie träumen in motorische Aktivität um, erläuterte der Neurologe. Vor allem bei "angstgetönten Verteidigungsträumen", so der Neurologe, schlagen sie um sich, wobei sie auch ihren Partner oder sich selbst verletzen können.

In Marburg werden etwa 30 solcher Patienten betreut. In der wissenschaftlichen Literatur sind 200 bis 500 Patienten mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung beschrieben, sagte Rosenow. Als Therapie haben sich Benzodiazepine bewährt, wobei Clonazepam das Mittel der Wahl sei.

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung sollte als Anlaß genommen werden, einen Patienten frühzeitig auf Morbus Parkinson zu untersuchen. Mit bildgebenden Verfahren könne gezielt nachgeschaut werden, ob in den Basalganglien die Dichte der Dopaminrezeptoren abgenommen hat und vermindert Dopamin vorhanden ist - ein Indiz für einen Morbus Parkinson.

Weitere Schwerpunktthemen des Kongresses sind unter anderem neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Demenz, Neuroimmunologie, Epilepsie und Versorgungsforschung. Außer dem wissenschaftlichen Programm mit vielen Vorträgen und mehr als 670 Postern zu Grundlagenforschung, Diagnostik und Therapie gibt es ein breitgefächertes Angebot an halb- oder ganztägigen Fortbildungskursen, mit denen die Kenntnisse auf Teilgebieten der Neurologie aufgefrischt und vertieft werden können.

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