Ärzte Zeitung, 14.03.2007

Rasagilin verbessert Beweglichkeit

MAO-B-Hemmer verlängerte in zwei Studien On-Phasen bei Wirkfluktuationen

ULM (mut). Eine Kombinationstherapie mit Rasagilin macht Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson deutlich beweglicher. Phasen schlechter Beweglichkeit nehmen um ein bis zwei Stunden täglich ab, Phasen sehr guter Beweglichkeit nehmen teilweise um mehr als eine Stunde zu.

Die Wirksamkeit von Rasagilin (Azilect®) gegen motorische Schwankungen bei Parkinson-Patienten ist in zwei großen Studien geprüft worden. Die Daten dazu hat Professor Werner Poewe aus Innsbruck auf dem Parkinson-Kongress in Ulm vorgestellt. So wurden in der PRESTO-Studie 472 Patienten mit motorischen Fluktuationen behandelt. Die Patienten verbrachten zu Beginn tagsüber im Schnitt fünf bis sechs Stunden in Off-Phasen und etwa neun Stunden in On-Phasen. Dies sagte Poewe auf einem Symposium von Teva Pharma und Lundbeck beim Parkinson-Kongress in Ulm.

Die Patienten erhielten nun ein halbes Jahr lang zusätzlich zur bisherigen Medikation täglich 0,5 mg oder 1 mg Rasagilin oder Placebo. Das Ergebnis: Mit der 1-mg-Dosierung ging die Off-Zeit um 1,9 Stunden zurück, mit der 0,5-mg-Dosierung um 1,4 Stunden und mit Placebo um 0,9 Stunden. Gleichzeitig nahm die On-Zeit mit Rasagilin um 1,2 bis 1,3 Stunden zu, mit Placebo um knapp eine halbe Stunde. Als On-Zeiten wurde dabei nur die Phasen guter Beweglichkeit gewertet, in denen keine Dyskinesien auftraten.

Bestätigt werden die Ergebnisse von der LARGO-Studie, ebenfalls bei Patienten mit motorischen Fluktuationen. In diese Studie wurden 687 Patienten aufgenommen, die im Schnitt täglich fünf bis sechs Stunden lang Off-Phasen hatten. Sie erhielten zusätzlich zur bisherigen Medikation entweder Rasagilin (1 mg/d), den COMT-Hemmer Entacapon (200 mg/d) oder Placebo. Nach 18 Wochen Therapie waren sowohl mit Rasagilin als auch mit Entacapon die Off-Zeiten um jeweils 1,2 Stunden reduziert und die Dyskinesie-freien On-Phasen um 0,9 Stunden verlängert. Mit Placebo hatten die Off-Phasen um 0,4 Stunden abgenommen, die On-Phasen wurden jedoch nicht verlängert.

Poewe wies darauf hin, dass in diesen Studien nicht nur die On-Zeit verlängert werden konnte, die motorische Leistung war in On-Phasen auch deutlich besser als mit Placebo, und zwar um etwa drei Punkte auf der Parkinson-Skala UPDRS. Zudem ließ sich das Freezing, eine Art Gangblockade, mit der Arznei reduzieren. Zum Freezing kommt es, wenn die Patienten aufstehen wollen, bei Engstellen, oder wenn sie besonders müde und ängstlich sind. Allerdings lasse sich das Freezing medikamentös nur lindern, wenn es in Off-Phasen auftritt, nicht aber in On-Phasen, so Poewe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »