Ärzte Zeitung, 15.02.2013

Überraschendes Symptom

Halluzinationen bei Parkinson

Klagt ein Patient über Halluzinationen, kann das auf eine Parkinson-Erkrankung hindeuten. Britische Forscher sind auf zahlreiche überraschende Symptome der Krankheit im Frühstadium gestoßen.

Von Robert Bublak

Halluzinationen bei Parkinson

Sind mehr Neurotransmitter an der Parkinsonkrankheit beteiligt als bisher angenommen?

© Ralf Dolberg

NEWCASTLE UPON TYNE. Forscher unter Führung von Tien Khoo, Newcastle University, haben 159 Patienten mit frisch diagnostiziertem Morbus Parkinson, die in 70 Hausarztpraxen betreut wurden, und 99 Kontrollpersonen im Durchschnittsalter von 67 Jahren auf Frühzeichen untersucht (Neurology 2013; 80: 276-281).

Mit dem "Nonmotor Symptom Questionnaire" (NMSQuest) wurden sie nach nicht-motorischen Parkinsonsymptomen gefragt.

NMSQuest ist ein 30 Punkte umfassender Fragebogen zu neuropsychiatrischen, schlafbezogenen, urogenitalen, gastrointestinalen, sensorischen und kognitiven Störungen, die mit Morbus Parkinson in Zusammenhang stehen.

Speichelfluss, Harndrang, Angstgefühle

Wie die Wissenschaftler herausfanden, litten Parkinsonpatienten im Frühstadium im Durchschnitt bereits an 8,4 nicht-motorischen Symptomen, verglichen mit 2,8 bei den Kontrollprobanden.

Am häufigsten fand sich eine Hypersalivation, an der 56 Prozent der Patienten, aber nur 6 Prozent der Kontrollen litten.

Ebenfalls häufig zu finden waren Harndrang (46,5 vs. 19 Prozent), Hyposmie (45 vs. 10 Prozent), Angstgefühle (43 vs. 10 Prozent) und Verstopfung (42 vs. 7 Prozent).

Jeder Fünfte halluziniert

Ein überraschender Befund war die Häufigkeit visueller Halluzinationen unter den an Parkinson Erkrankten. Rund jeder fünfte von ihnen (22 Prozent) berichtete von solchen Erlebnissen. Von den Kontrollpersonen hatte kein einziger halluziniert.

Es sei zwar nicht auszuschließen, dass manche Probanden die entsprechende Frage nicht richtig interpretiert hätten, schreiben Khoo und Kollegen.

"Es ist aber auch möglich, dass fragmentarische visuelle Phänomene im frühen Stadium eines Morbus Parkinson verbreiteter sind als bisher angenommen."

Nicht-motorische Symptome können zu Fehldiagnosen führen

Die große Bandbreite von Symptomen unterstreicht laut Aussagen der Forscher die von Beginn an multisystemische Natur der Parkinsonkrankheit. Dies könnte auf Dysfunktionen weiterer Neurotransmitter, etwa Serotonin, Noradrenalin und Acetylcholin verweisen.

Patienten, die nicht-motorische Parkinsonsymptome aufweisen, laufen Gefahr, eine verspätete oder gar eine Fehldiagnose zu erhalten. Und oft sind es gerade die nicht-motorischen Beschwerden, die an der Lebensqualität der Patienten zehren.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wirkstoff zum Cannabis-Entzug

Die Blockade der Fettsäureamid-Hydrolase reduziert Symptome beim Cannabis-Entzug. Mit einem Hydrolasehemmer senkten Abstinenzwillige den Konsum um fast 70 Prozent. mehr »

Erfolg mit Gentherapie bei Anämien

Aktuelle Berichte beim ASH-Kongress bestätigen den Nutzen einer Gentherapie bei Patienten mit Beta-Thalassämie oder Sichelzellanämie. mehr »

Leichter Antieg auf 118 Influenza-Fälle

Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) ist in der 48. Kalenderwoche (KW) 2018 in fast allen Bundesländern gestiegen, besonders in Ostdeutschland. mehr »