Ärzte Zeitung, 09.04.2015

Parkinson-Forschung

Monozyten fördern Zelltod im Gehirn

Am Mausmodell gewinnen Forscher neue Erkenntnisse über M. Parkinson.

HEIDELBERG. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben an Mäusen gezeigt, dass Zellen der peripheren Immunabwehr aus dem Blut ins Gehirn einwandern und dort maßgeblich zur Degeneration dopaminproduzierender Neuronen beitragen (J Exp Med 2015; 212: 469-480).

Mit einem Wirkstoff gegen ein Oberflächenmolekül dieser Entzündungszellen konnten die Forscher die Neurodegeneration vermindern, teilt das DKFZ mit.

Die Forscher hatten den Verdacht, dass ein bestimmtes Molekülpaar, das CD95-System, zum Nervensterben bei Parkinson beiträgt: Der CD95-Ligand, der an den "Todesrezeptor" CD95 andockt.

Um die Neurodegeneration an Mäusen untersuchen zu können, machten sich die Forscher ein Modellsystem zunutze: Die Substanz MPTP führt selektiv den Tod Dopamin-produzierender Neuronen im Gehirn herbei, was bei den Tieren Parkinson-ähnliche Symptome auslöst.

In Mäusen jedoch, deren Monozyten und Microglia kein CD95L bilden konnten, ließ sich mit MPTP nahezu kein Nervensterben auslösen, heißt es in der Mitteilung des DKFZ.

CD95L-tragende Entzündungszellen haben wohl eine Mitschuld an der Neurodegeneration. Jedoch war den Forschern nicht klar, ob dabei die Microglia im Gehirn oder aber aus dem Blut einwandernde Monozyten die Schuldigen sind.

Bei der Unterscheidung half ein Wirkstoff, der CD95L blockiert, jedoch die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann. Dieser Wirkstoff erreicht so nur die Monozyten, aber nicht die Microglia. Mäuse, die damit behandelt wurden, waren vor dem MPTP-induzierten Nervenzelltod geschützt. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Versorgung psychisch kranker Kinder ist ein Flickenteppich

Der Trend bei den psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ist stabil. Eine einheitliche Versorgungslandschaft besteht in Deutschland aber nach wie vor nicht. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie können sie für eine Impfung gewonnen werden? mehr »

Mama leckt den Schnuller ab – kein Tabu

Botschaft einer neuen US-Studie: Das Ablutschen kann Vorteile fürs Immunsystem der Kinder haben. mehr »