Ärzte Zeitung online, 14.03.2017

Schlaf-Wach-Rhythmus

Lichttherapie macht Parkinsonkranke munter

Eine Lichttherapie lindert die Tagesschläfrigkeit bei Parkinsonkranken und bessert den Schlaf. Betroffene fühlen sich tagsüber ausgeruhter und wachen nachts seltener auf.

Lichttherapie macht Parkinsonkranke munter

Bei Parkinson-Patienten hat sich eine Lichttherapie in einer ersten Pilotstudie als erfolgreich erwiesen.

© Ralf Dolberg

Von Thomas Müller

BOSTON. Bis zu 90 Prozent der Parkinsonkranken leiden unter Schlafproblemen, häufig ist ihr Schlaf nachts sehr fragmentiert, die Betroffenen wachen also häufig auf und bleiben lange wach. Die Folge ist nicht selten eine erhöhte Tagesschläfrigkeit, welche die Lebensqualität stark beeinträchtigt. Forscher vermuten eine Störung der zirkadianen Rhythmik infolge der Neurodegeneration, aber auch die Parkinsonmedikation kann zu den Schlafproblemen beitragen.

Da sich der Schlaf-Wach-Rhythmus durch helles Tageslicht richtig takten lässt, ist eine Lichttherapie vielversprechend. In Studien ließen sich damit etwa Schlaf und Vigilanz von Demenzpatienten verbessern, berichten Neurologen um Dr. Aleksandar Videnovic vom Massachusetts General Hospital in Boston. Die Ärzte vermuten daher, dass eine solche Therapie auch Parkinsonkranken helfen kann. In einer ersten kleinen Pilotstudie prüften sie eine Lichttherapie bei 31 Patienten, die unter starker Tagesschläfrigkeit litten – offenbar mit Erfolg (JAMA Neurol 2017, online 20. Februar)

ESS-Wert sinkt um 4,6 Punkte

Ausgewählt wurden Patienten, bei denen die Parkinsonerkrankung als Ursache der Beschwerden vermutet wurde. Sie hatten also keine Schlafapnoe, kein RLS oder eine andere den Schlaf beeinträchtigende organische oder psychische Erkrankung. Auch nahmen sie neben der Parkinsonmedikation keine weiteren Arzneien, die den Schlaf stören oder tagsüber sedieren.

Die Patienten waren im Schnitt 63 Jahre alt und seit etwa sieben Jahren erkrankt. Alle unterzogen sich zunächst einer zweiwöchigen Eingewöhnungsphase ohne zusätzliche Lichtexposition. In dieser Zeit trugen sie einen Aktimeter, der ihre Aktivität erfasste, zudem führten sie ausführlich über ihren Schlaf und ihre Tagesmüdigkeit Protokoll.

Anschließend bekamen alle eine Lichtbox. Bei 16 Patienten strahlte diese in hellem Tageslicht (10.000 Lux, 5000 K), bei 15 in schwachem Rotlicht (Kontrollgruppe).

Die Patienten wurden gebeten, über zwei Wochen hinweg täglich eine Stunde zwischen neun und elf Uhr morgens sowie eine weitere Stunde am Nachmittag zwischen 17 und 19 Uhr im Abstand von etwa 80 cm davor zu sitzen. Insgesamt sollten sie die Lichtbox also 28 Stunden benutzen. Nach eigenen Angaben ließen sie sich damit im Schnitt 21–22 Stunden bestrahlen.

Kürzere Einschlaflatenz

In der Eingewöhnungsphase lag der Wert auf der Epworth-Schläfrigkeitsskala (ESS) bei knapp 16 von 24 möglichen Punkten. Werte über 10 Punkte deuten auf eine erhöhte Tagesschläfrigkeit.

Nach zwei Wochen Lichttherapie war der ESS-Wert in der Gruppe mit hellem Tageslicht um 4,6 Punkte, in der Kontrollgruppe hingegen nur um 1,7 Punkte gesunken. Der Unterschied zur Eingewöhnungsphase erwies sich nur bei den Patienten mit hellem Tageslicht als statistisch signifikant. Gemessen mit dem Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und der Parkinson's Disease Sleep Scale (PDSS) zeigten beide Gruppen Verbesserungen, wobei diese mit hellem Tageslicht stärker ausfielen.

Die Schlaftagebücher der Patienten sprachen zudem für eine signifikant verbesserte Schlafqualität, weniger nächtliche Aufwachphasen und weniger Einschlafprobleme in der Gruppe mit hellem Tageslicht. Die Einschlaflatenz und die Dauer der nächtlichen Wachphasen verkürzten sich in beiden Gruppen.

Die Angaben wurden im Wesentlichen durch die Aktigrafie bestätigt. Sie stellte zudem in beiden Gruppen während der Lichttherapie tagsüber ein erhöhtes Maß an Aktivität fest. Viele der Verbesserungen persistierten auch noch zwei Wochen nach dem Ende der Behandlung.

Beim UPDRS-Gesamtwert ergaben sich in beiden Gruppen Verbesserungen um 4–5 Punkte, auch sie waren noch zwei Wochen nach Therapieende nachweisbar. Auf die Stimmung und die Lebensqualität der Patienten hatte die Behandlung jedoch keinen signifikanten Einfluss.

Insgesamt scheint die Lichttherapie den Schlaf etwas zu verbessern und die Tagesmüdigkeit zu reduzieren. Allerdings lässt sich nur schwer sagen, wie viel davon dem Placeboeffekt zuzuschreiben ist. Schließlich kann man eine Lichttherapie kaum verblinden. Das hellere Licht wirkte vielleicht einfach nur als stärkeres Placebo. Stutzig macht auch die vergleichbar starke Verbesserung beim UPDRS-Score in beiden Gruppen. Möglicherweise hatte die intensive Beschäftigung mit der Lichtbox und den Tagebüchern die Patienten zusätzlich aktiviert. Interessant wäre es daher, Therapieeffekte über längere Zeiträume zu untersuchen.

11,2

– diesen Wert auf der Epworth-Schläfrigkeitsskala erreichte die Interventions-Gruppe nach zweiwöchiger Lichttherapie. In der Eingewöhnungszeit lag der Wert bei 15,8. Werte über 10 deuten auf eine erhöhte Tagesschläfrigkeit.

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