Ärzte Zeitung online, 26.10.2017

Signalweg entdeckt

Warum Parkinson die Kognition beeinträchtigt

Göttinger Wissenschaftler haben einen Signalweg entdeckt, der die kognitiven Einschränkungen bei Parkinson-Patienten erklärt. Das könnte auch ein neuer Behandlungsansatz sein.

Warum Parkinson die Kognition beeinträchtigt

Zustand des Proteins a-Synuclein in lebenden, gesunden Zellen: Die zentrale NAC-Region (grau) ist gut geschützt. Das Protein sorgt dafür, dass es zu keiner Interaktion mit dem Zytoplasma (weiß) und anderen Zell-Komponenten kommt. Bei neurodegenerativen Veränderungen würden die grauen Bereiche zusammenwachsen und Amyloid-Strukturen ausbilden.

© Philipp Selenko, FMP

GÖTTINGEN. Gebeugte Haltung, schlurfender Gang und ein maskenhafter Gesichtsausdruck sind sichtbare Auswirkungen der Parkinson'schen Erkrankung. Doch neben diesen Einschränkungen in der Motorik kommen im Laufe der Erkrankung auch Defizite im Erinnerungsvermögen hinzu. Im Tiermodell zeigte das Forscherteam aus Göttingen und Lissabon detailliert einen molekularen Signalweg, der zur Entwicklung Parkinson-ähnlicher kognitiver Defizite führt. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Forscher in "Nature Neuroscience"(doi: 10.1038/nn.4648).

Die Aktivierung des Signalwegs, den die Wissenschaftler des Exzellenzclusters CNMPB an der Universitätsmedizin Göttingen erforschten, erfolgt durch die Interaktion abnormaler Formen des alpha-Synuklein Proteins mit dem Prionprotein (PrPC). Von diesem Prionprotein war bereits bekannt, dass es an Prozessen beteiligt ist, die zu altersbedingten Verhaltensabnormitäten und Beeinträchtigungen des Erinnerungsvermögens bei Neurodegeneration führen, so die Uni Göttingen.

Was die Forscher nun herausfangen war, dass durch die Wechselbeziehung zwischen alpha-Synuklein und PrPC eine Signalkaskade in Gang setzt, die zu einer Fehlregulation des Calcium-Haushalts und einer Fehlfunktion der Synapsen von Nervenzellen im Gehirn führt. Die Folge: Die Kommunikation der betroffenen Nervenzellen ist beeinträchtigt, die Entstehung kognitiver Defizite wird begünstigt.

Toxische Prozesse können umgekehrt werden

Darüber hinaus zeigen die Autoren nach Angaben der Universität erstmals, dass die Blockierung dieses nachgeschalteten Signalwegs durch genetische Manipulation oder den Einsatz von Antikörpern den toxischen Effekt der alpha-Synuklein-Oligomere aufhebt und die Erinnerungsdefizite umkehren können.

"Wir wissen nun, dass die Parkinson Krankheit weit mehr ist als eine motorische Erkrankung. Dass bestimmte Formen des alpha-Synuklein Proteins Fehlfunktionen bei der Kommunikation von Nervenzellen verursachen können, die für das Erinnerungsvermögen zuständig sind, war uns bekannt. Wie genau war bisher unklar. Nun wissen wir mehr über die molekularen Mechanismen. Damit eröffnen sich neue therapeutische Ansätze für die Prävention und Behandlung der Parkinson'schen Erkrankung", erläutert Prof. Tiago Outeiro, Direktor der Abteilung für Experimentelle Neurodegeneration an der Uni Göttingen und Studien-Koordinator in einer Pressemitteilung. (run)

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