Ärzte Zeitung, 24.01.2006

Jetzt gibt‘s verläßliche Daten zu Multipler Sklerose

In neuem bundesweitem MS-Register sind bislang 3 400 Betroffene erfaßt / Infos zu Prävalenz und Behinderungen

WÜRZBURG (ner). Mehr als 2500 Menschen in Deutschland erkranken jährlich neu an Multipler Sklerose (MS). Jeder dritte Patient ist nach 13jähriger Krankheitsdauer erwerbsunfähig. Das sind die ersten Ergebnisse eines neuen bundesweiten MS-Registers.

Derzeit leben in Deutschland etwa 120 000 Menschen mit MS. Verläßliche Daten zur Prävalenz, zur Verteilung der Schweregrade und zur Versorgung existierten jedoch bislang nicht. Darauf weisen Dr. Peter Flachenecker von der Neurologischen Universitätsklinik in Würzburg und seine Kollegen hin (Der Nervenarzt 76, 2005, 967).

Dabei sei die volkswirtschaftliche Bedeutung der Erkrankung enorm: Auf 500 Millionen Euro belaufen sich nach seinen Angaben die direkten Krankheitskosten. Unter Berücksichtigung von Arbeitsunfähigkeitszeiten und frühzeitiger Berentung belaufen sich die Kosten auf vier Milliarden Euro jährlich.

In einer zweijährigen Pilotphase von Januar 2002 bis Dezember 2003 haben die Kollegen mehr als 3 400 Patienten aus fünf regionalen Zentren in das neue bundesweite MS-Register aufgenommen. Daraus ließen sich zwar noch keine epidemiologisch endgültig verwertbaren Schlüsse ziehen, so die Autoren.

Dennoch bestätige sich die angenommene jährliche Neuerkrankungsrate von etwa 3 auf 100 000 Einwohner im Raum Rostock und im Raum Würzburg. Die Neuerkrankten waren im Mittel 30 Jahre alt. Zwei Drittel waren Frauen. Ein Drittel der erfaßten Patienten ist nur noch eingeschränkt gehfähig, sieben Prozent sind auf einen Rollstuhl angewiesen, und 1,6 Prozent sind bettlägerig. Etwa 64 Prozent der Betroffenen leiden an der schubförmigen, 28 Prozent an der sekundär chronisch-progredienten Verlaufsform. Sechs Prozent haben die primär chronisch-progrediente MS.

Es fiel auf, daß es zwischen den einzelnen Zentren erhebliche Unterschiede in den Anteilen verschiedener Verlaufsformen gab. Das könnte etwa mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen der Zentren zusammenhängen, vermutet Flachenecker.

Jetzt soll das Register auf mehr als 10 000 Patienten ausgeweitet werden. Neurologen erhoffen sich etwa Informationen zur Versorgung sowie zu Faktoren, die zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben oder zu Therapieabbrüchen führen.

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