Ärzte Zeitung, 17.09.2007
 

Spezialprogramm unterstützt Ärzte und MS-Patienten

BERLIN (gvg). Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sind häufig ängstlich und depressiv. Darunter leidet die Compliance: Die medikamentöse Therapie wird oft vorzeitig beendet. Ein neuartiges Betreuungsprogramm unterstützt gezielt niedergelassene Kollegen.

In dem Programm MS-COPE werden MS-Patienten von Psychologen und speziell geschulten Ärzten detailliert über ihre Erkrankung aufgeklärt. Sie lernen Entspannungstechniken und nehmen sechs Wochen lang an sechs je 1,5-stündigen Gruppensitzungen teil, die helfen sollen, mit der MS emotional besser umzugehen. Nach den sechs Wochen treffen sich die Gruppen weitere neun bis zehn Mal zu moderierten Chats im Internet.

Austausch durch Chats im Internet positiv bewertet

"Bisher haben 84 Patienten das Programm durchlaufen", sagte Professor Joachim Kugler von der TU Dresden. Dabei sei es zu einer signifikanten Besserung der Symptome Ängstlichkeit und Depression gekommen. Die Patienten neigten weniger zu Sinnsuche und Katastrophisieren und bewerteten vor allem die Internetchats positiv.

Dass eine intensivere Betreuung nicht nur die Zufriedenheit und Lebensqualität der MS-Patienten erhöht, sondern auch die Therapietreue, hat die MS-Therapiebetreuungsstudie ergeben.

Therapietreue konnte erhöht werden

An dieser Studie waren 924 Patienten von etwa 200 Ärzten beteiligt, die neu auf Interferon beta-1a (Rebif®) eingestellt worden waren. Zusätzlich zur Betreuung durch die niedergelassenen Kollegen wurden die Patienten in drei Monaten insgesamt siebenmal durch "MS-Nurses" persönlich und telefonisch kontaktiert. "Am Ende der drei Monate hatten 6 Prozent der Patienten die Therapie vorzeitig abgebrochen, im Vergleich zu 26 Prozent in anderen Interferon-Studien", sagte Privatdozent Andrew Chan von der Ruhr-Uni Bochum bei der von Merck Serono unterstützten Veranstaltung.

Auch die Ärzte profitierten: Fast drei von vier gaben an, die Betreuung der Patienten durch das Angebot sei weniger zeitaufwändig. Neun von zehn äußerten, dass das Programm den Patienten helfe, dauerhaft bei der Interferontherapie zu bleiben.

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