Ärzte Zeitung, 07.04.2009

Frühe MS-Therapie schützt Gedächtnis

Immunmodulierende Behandlung mit hoch dosiertem Interferon beugt kognitiven Beeinträchtigungen vor

MONTREAL (hem). Da bei Multipler Sklerose Hirnzellen vorzeitig degenerieren, wird häufig auch schon früh die Kognition beeinträchtigt. Gedächtnisprobleme gehen sogar körperlichen Defiziten oft voraus. Eine frühe Therapie kann den kognitiven Abbau etwas aufhalten.

Nach Angaben von Professor Stephen M. Rao aus Cleveland in den USA haben bei Diagnose einer MS etwa ein Viertel der Patienten kognitive Störungen, nach zehn Krankheitsjahren liegt dieser Anteil bei 50 bis 60 Prozent. Beeinträchtigt sind dabei besonders Gedächtnis und die Informationsverarbeitung. Auf einem MS-Kongress in Montreal in Kanada stellte der Experte fest, dass der Verlust geistiger Fähigkeiten stärker mit einer Abnahme des Hirnvolumens korreliert als mit radiologisch nachweisbaren Läsionen.

Inzwischen liegen für alle Interferon-Präparate sowie für Copaxone Studiendaten vor, die zeigen, dass ein früher und intensiver Behandlungsbeginn nicht nur die Progression der MS aufhalten kann, sondern auch den Verfall kognitiver Leistungsfähigkeit. Für Interferon beta-1a (Rebif®) konnte dies explizit die COGIMUS*-Studie bei Patienten mit früher MS nachweisen, hat Professor Francesco Patti aus Catania in Italien berichtet. Eine deutliche kognitive Beeinträchtigung, gemessen anhand standardisierter Testverfahren, gab es nach drei Jahren mit dem Interferon in hoher Dosis (44 μg dreimal pro Woche) signifikant seltener als mit niedriger Dosis (22 μg), und zwar bei 15 versus 25 Prozent.

Therapie wird nach erstem MS-Schub empfohlen.

Ähnliches berichtete Professor Mark Freedman aus Ottawa in Kanada für Interferon beta-1b (Betaferon®) aus Fünf-Jahresdaten der BENEFIT-Studie. Die Daten zeigten auch, dass möglichst früh, bereits nach einem ersten Schub, mit der immunmodulatorischen Therapie begonnen werden sollte. Bei einem späten Beginn haben die Patienten häufiger MS-Schübe und auch die Zahl der radiologisch nachweisbaren Läsionen im Gehirn ist bei einer verzögert einsetzenden Therapie größer. Solche Patienten können das Funktionsniveau von Patienten mit früher Therapie nicht mehr erreichen.

*COGIMUS: Cognition Impairment in Multiple Sclerosis.

BENEFIT: Betaferon in Newly Emerging Multiple Sclerosis for Initial Treatment

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »