Ärzte Zeitung online, 18.09.2010
 

Neurologen warnen vor Zamboni-Op

MANNHEIM (dpa). Ein kleiner Eingriff im Gehirn soll Multiple Sklerose vollständig heilen - vor dieser "sinnlosen und gefährlichen" Methode hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie anlässlich der am Dienstag beginnenden Neurowoche in Mannheim gewarnt.

Die Theorie des Arztes Paolo Zamboni sei wissenschaftlich nicht haltbar, sagte ein Sprecher der Gesellschaft am Freitag. Zudem habe es schon Todesfälle gegeben, die damit in Verbindung gebracht werden könnten. Die Gesellschaft will bei der Neurowoche neue Erkenntnisse zur MS-Forschung präsentieren.

Nach der Zamboni-Theorie läuft Blut falsch gerichtet ins Gehirn und verursacht dort einen Gefäßstau. Dieser soll durch einen in das Gefäß eingesetzten kleinen Ballon aufgelöst werden. Ein solcher Eingriff koste rund 5000 Euro, hinzu kämen die Kosten für die Diagnose, sagte der Sprecher weiter. "Viele Erkrankte klammern sich aber an jeden Strohhalm und sind bereit, dafür zu zahlen. Und für den Eingriff gibt es immer mehr Anbieter."

Zur Neurowoche werden mehr als 6000 Teilnehmer erwartet. Die Tagung beginnt am kommenden Dienstag, den 21. September, und dauert bis zum 25. September.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Überlebensvorteil bei Übergewicht nur ein Trugschluss?

Übergewicht ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, doch wer schon eine entsprechende Erkrankung hat, lebt länger. Stimmt dieses "Adipositas-Paradox" vielleicht gar nicht? mehr »

Digitalisierung – Ärzte zwischen Hoffnung und Ernüchterung

Viele Ärzte im Krankenhaus verbinden mit der Digitalisierung die Hoffnung auf Arbeitserleichterungen. Zugleich beklagen sie mangelhafte Vorbereitung und Umsetzung, so eine Umfrage. mehr »

Oh, Britannia! Was hat der "Brexismus" aus dir gemacht?

Von wegen Tea Time, Queen und Linksverkehr: Nicht nur der Blick der Briten auf die EU hat sich geändert. Umgekehrt blicken auch Menschen weit außerhalb Europas inzwischen mit Unverständnis auf die Insel. mehr »