Ärzte Zeitung online, 23.11.2017
 

Multiple Sklerose

Den vielen Facetten der Pathogenese auf der Spur

Lange galt MS als Krankheit der weißen Substanz. Mittlerweile ist bekannt, dass auch Schäden der grauen Substanz auftreten können, die für den weiteren Verlauf relevant sind.

Den vielen Facetten der Pathogenese auf der Spur

Neue Erkenntnisse zur Entstehung von MS.

© Aintschie / Fotolia

PARIS. Fokale entzündliche Demyelinisierung und axonale Schädigung wurden traditionell als die wichtigsten Folgen der fehlgeleiteten Immunreaktion bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) angesehen. In den vergangenen Jahren habe sich immer deutlicher gezeigt, dass auch die graue Substanz am Krankheitsgeschehen beteiligt ist, berichtete Professor Stephen L. Hauser, Weill Institute for Neurosciences, University of California, San Francisco, beim ECTRIMS-Kongress in Paris.

Die Schäden in der grauen Substanz des Kortex sind dabei keineswegs nur auf die späte Krankheitsphase beschränkt, sondern treten bereits früh im Krankheitsverlauf auf. Im weiteren Verlauf der Erkrankung nehmen die kortikalen Läsionen zu, besonders beim Übergang in die sekundär progredienten Phase. Ihr Ausmaß ist korreliert mit kortikaler Atrophie und Behinderungsprogression. Diese Läsionen sind oft assoziiert mit einer meningealen Inflammation und B-Zell-reichen follikelartigen Strukturen.

Mit dem konventionellen MRT könne bei der Multipler Sklerose nur die Spitze des Eisberges abgebildet werden, sagte Professor Dana Horàkovà, Department of Neurology and Center of Clinical Neuroscience, Universität Prag, bei der vom Unternehmen Roche Pharma unterstützten Veranstaltung. Das Gesamtbild der krankheitsbedingten Defizite eines MS-Patienten könne damit aber oftmals nicht vollumfänglich erklärt werden. Während sich Veränderungen in der weißen Substanz im konventionellen MRT gut darstellen ließen, sei die genaue Darstellung und Quantifizierung kortikaler Läsionen schwieriger.

Um das gesamte Spektrum der Veränderungen im Gehirn – einschließlich des Ausmaßes der MikrogliaAktivierung, subpialer Läsionen und der entzündlichen Aktivität innerhalb bestehender Läsionen der weißen Substanzen – sichtbar zu machen und die Auswirkungen auf das Fortschreiten der körperlichen Behinderung bei MS-Patienten abschätzen zu können, seien neuartige bildgebende Verfahren erforderlich, so Horàkovà in Paris.

Das sei die Grundlage für eine tatsächlich individualisierte Therapie von MS-Kranken und ermögliche es den behandelnden Ärzten, bei unzureichendem Ansprechen auf eine Medikation rechtzeitig eine Optimierung der Therapie vornehmen zu können. (aam)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gegen Husten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet. mehr »

Erst krebskrank, dann Hypertoniker

Überlebende von Krebserkrankungen in der Kindheit tragen ein erhöhtes Hypertonierisiko: Im Alter von 50 Jahren sind 70 Prozent betroffen. mehr »

Macht das Stadtleben krank?

Stadtluft kann Schizophrenie begünstigen, glauben Wissenschaftler. Ein Chefarzt der Charité fordert deshalb eine Public-Mental-Health-Strategie für urbane Räume. mehr »