Ärzte Zeitung, 08.11.2005

Neue Therapie für Narkolepsie-Kranke

Natriumoxybat reduziert die Rate der Kataplexie-Attacken um zwei Drittel / Tagesschläfrigkeit wird verringert

BERLIN (ner). Für Patienten mit Kataplexie, also plötzlichen Muskelschwäche-Attacken, bei Narkolepsie hat die europäische Arzneimittelbehörde EMEA jetzt das Medikament Natriumoxybat zugelassen. Schlafmediziner erwarten noch in diesem Jahr die erweiterte Zulassung für Narkolepsie in den USA.

Hauptsymptome der Narkolepsie sind eine starke Tagesschläfrigkeit, Kataplexie und gestörter Nachtschlaf. Liegt eine Kataplexie vor, gilt dies als beweisend für eine Narkolepsie.

Bei der Kataplexie handelt es sich um plötzliche bilaterale Schwächeanfälle der Skelettmuskulatur, die lokal begrenzt aber auch generalisiert auftreten können. Im schlimmsten Fall stürzen die Patienten dabei. Sie bleiben aber meist wach und nehmen ihre Umgebung wahr, können sich aber unter Umständen minutenlang nicht bewegen.

Die Narkolepsie wird oft als Epilepsie, Psychose oder Depression fehlgedeutet. Deshalb vergingen oft Jahre, bis die Diagnose wirklich feststehe, sagte Professor Yves Dauvilliers aus Montpellier in Frankreich beim Kongreß der World Association of Sleep Medicine (WASM) in Berlin.

Mit Natriumoxybat (Xyrem®) gebe es jetzt ein neues Medikament gegen Kataplexie, das in kontrollierten Doppelblindstudien geprüft worden ist, so Professor Geert Mayer aus Schwalmstadt auf einem vom Unternehmen UCB Pharma unterstützten Symposium.

So wurde in einer Untersuchung mit 136 Narkolepsie-Patienten die mittlere Häufigkeit von Kataplexie-Attacken um 49 bis 69 Prozent reduziert. Dieser Effekt bleibt auch nach zwölf Monaten erhalten, wie eine offene Langzeitstudie mit 118 Patienten ergeben hat. Zudem verringerte sich bei den Patienten die exzessive Tagesschläfrigkeit und der Nachtschlaf verbesserte sich.

Für viele Ärzte gilt die Narkolepsie als Rarität, dabei komme sie etwa so häufig vor wie Multiple Sklerose, sagte der Schlafmediziner Professor Michel Billiard aus Montpellier zur "Ärzte Zeitung". Nach Schätzungen sind 20 bis 30 von 100 000 Menschen in Europa betroffen.

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