Ärzte Zeitung online, 02.01.2009

Ärzte die wissen, was für sie im Leben zählt, bekommen keinen Burnout

MÜNCHEN (ug). Etwa jeder Fünfte Kassen- und Klinikarzt ist vom Burnout betroffen. Zur Prävention, ist es nötig, Zeitdruck abzubauen und sich der eigenen Bedürfnisse klar zu werden.

Bei niedergelassenen Ärzten tritt Burnout meist nach acht bis zehn Jahren Arbeit in der Praxis auf, so Dr. Thomas M. H. Bergner, Dermatologe und Burnout-Experte. Allerdings seien meist nur Kassenärzte betroffen. Er habe bisher noch keinen Niedergelassenen mit reiner Privatpraxis kennen gelernt, der an Burnout gelitten habe, sagte Bergner auf einer Veranstaltung des Unternehmens Weleda in München. Denn je höher die Fremdbestimmung, desto größer ist das Burnout-Risiko. Und gerade für Kassenärzte sei kaum noch Eigenbestimmung möglich.

Burnout: Sammelsurium an Symptomen der Überlastung

Burnout ist keine eigentliche Erkrankung, sondern, so Bergner, "ein Sammelsurium an Symptomen der Überlastung". Ursache ist ein Fehlengagement. Leitgefühl ist die Unzufriedenheit. Sie sei die conditio sine qua non für ein Burnout. Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation, also gesellschaftlicher Rückzug, und Leistungsabnahme sind die typische Trias von Burnout. Dazu kommen alle möglichen physischen Begleitsymptome von Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Tics, Verdauungsproblemen bis zur Sucht.

Das erste Symptom von Burnout, bei dem man unbedingt hellhörig werden sollte, ist die Hyperaktivität. Die Betroffenen arbeiteten in dieser Phase viel zu viel. "Sie rödeln wie blöd", formulierte Bergner. Dann sollte man auf die Bremse treten und sich bewusst machen, dass man in ein Burnout-Syndrom hineinsteuert.

Diese Situation gilt es als Aufforderung zu begreifen, sich nach Alternativen umzuschauen. Sich zum Beispiel mehr um Partner und Familie zu kümmern, statt noch mehr zu arbeiten. Das hilft, die Probleme leichter zu bewältigen. Eine liebevolle Partnerschaft und eine harmonische Familie sind grundsätzlich der beste Schutz vor Burnout.

Stress tolerieren, Zeitdruck mindern und "nein" sagen

Bergner hat verschiedene Stufen der Prävention vorgestellt. Erste Stufe ist die Stresstoleranz. Dazu gehört, zu entspannen und auf den Körper zu achten. "Erfahren Sie Ihr Leben rund um Ihre Sinne." Auch eine kluge Finanzplanung kann nötig sein, um aus dem Stress herauszukommen.

Ganz wichtig ist die zweite Stufe, der Abbau von Zeitdruck. "Vermeiden Sie, unter Zeitdruck zu arbeiten!" Dabei hilft es etwa, Routineaufgaben in Zeiten des persönlichen Tiefs zu legen. Und man muss lernen, "nein" zu sagen. Denn: Effizienz - also immer mehr Arbeit immer schneller erledigen - führt ins Burnout, Effektivität dagegen - sich Ziele zu stecken und unter den gegeben Umständen zu erreichen - schützt davor, so Bergner.

Wichtig ist auch, an der eigenen Haltung zum Leben zu arbeiten. Positiv und konstruktiv statt negativ sollte sie sein. Oder, wie Bergner sagte: von "so ist es leider" zu "so will ich es gerne".

Essentiell: Die eigenen Bedürfnisse erkennen

Zufriedenheit schützt vor Burnout. Es gilt also, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Um die erst einmal herauszufinden, hat Bergner einen Tipp: Drei Wochen lang sollte man an jedem Tag zur selben Zeit auf einen Zettel schreiben "Was brauche ich wirklich" und auf einen anderen "Wozu brauche ich das". Wichtig ist, sich nicht dabei zu kontrollieren, sondern einfach aufzuschreiben, was einem in den Sinn kommt. Wenn man nach drei Wochen die Zettel vergleicht, werde ziemlich klar, was die wichtigsten eigenen Bedürfnisse seien, sagte Bergner.

"Wer erkannt hat, was er wirklich will und was er wirklich kann, der nähert sich dem Sinn des eigenen Lebens, der schenkt sich das Gefühl der Erfüllung und sorgt für die eigene Zufriedenheit - das ist die beste Burnout-Prävention. Es geht darum, mit sich und nicht gegen sich selbst zu leben."

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