Ärzte Zeitung online, 26.08.2009
 

Schlaf-Apnoe-Patienten sollten auch einen Augenarzt konsultieren

BONN (ner). Patienten mit Schlaf-Apnoe-Syndrom sollten sich regelmäßig beim Augenarzt untersuchen lassen. Denn ihr Augeninnendruck fluktuiert stark. Dies gilt besonders bei CPAP*-Therapie.

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Schlaf-Apnoe-Patienten sollten auch einen Augenarzt konsultieren.

Foto: jaz

Bei Patienten mit Normaldruckglaukom und gleichzeitig vorliegendem Schlaf-Apnoe-Syndrom könnte die CPAP*-Beatmung den Erkrankungsverlauf am Auge günstig beeinflussen, theoretisch aber auch ungünstig. So gibt es Einzelfallberichte, wonach trotz erfolgreicher medikamentöser und operativer Augeninnendrucksenkung es bei Patienten zu progredienten Glaukomschäden gekommen war. Im Nachhinein stellte sich dann heraus, dass nachts Schlafapnoe-Phasen bestanden. Darauf hat Professor Carsten Meyer von der Universitäts-Augenklinik Bonn auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" hingewiesen. Manche Augenärzte schlussfolgern daraus, dass die alleinige Senkung des Augeninnendrucks beim Glaukom nicht ausreicht, sondern zusätzlich eine nasale Überdruckbeatmung stattfinden sollte. Man hofft, damit eine glaukomatöse Optikus-schädigung verlangsamen zu können. Prospektive Langzeitstudien dazu fehlen allerdings.

Außerdem hat eine Studie bei 21 Schlaf-Apnoe-Patienten mit CPAP-Beatmung ergeben, dass unter der Behandlung nachts der Augeninnendruck um durchschnittlich 9 mmHg stieg, nach Ende der Beatmung war der Augeninnendruck in 30 Minuten wieder signifikant reduziert (Invest Ophthalmol Vis Sci 49, 2008, 934). Diese intraokuläre Druckerhöhung unter CPAP-Beatmung pfropft sich auf die sowieso schon großen Fluktuationen des intraokulären Drucks bei Schlaf-Apnoe-Patienten mit hohen nächtlichen Drücken auf. "Aus diesem Grund sollten Patienten mit Schlaf-Apnoe-Syndrom regelmäßig ophthalmologisch untersucht werden", empfiehlt Meyer. Denn Schäden wegen des gleichzeitig ansteigenden intraokulären Augendrucks seien nicht auszuschließen.

Der Krankheitsverlauf bei Normaldruckglaukom wird nach Angaben von Meyer unter anderem vom okulären Blutfluss beeinflusst. Ganz generell seien bei der Pathogenese des Glaukoms auch kardiovaskuläre Risikofaktoren bedeutsam. Hinzu kommen Vasospasmen, nächtliche Blutdruckabfälle und Autoregulationsstörungen, Hyper- und Hypotonie und die Atherosklerose.

*CPAP - continuous positive airway pressure (kontinuierliche Überdruckbeatmung)

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