Ärzte Zeitung, 28.08.2011

Phyto-Forum

Phytoestrogene Wirkung von Hopfen ist zu vernachlässigen

Phytoestrogene Wirkung von Hopfen ist zu vernachlässigen

Ein Kollege fragt im Internet: Dürfen Patientinnen mit estrogenabhängigen Tumoren (zum Beispiel Brustkrebs) hopfenhaltige Arzneimittel gegen ihre Schlafprobleme einnehmen?

Professor Karin Kraft: Das sehr kritische "Committee on Herbal Medicinal Products" (HMPC) der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) hat in seiner Monografie zu Hopfenzapfen keine Einschränkung der Anwendung bei Patienten mit estrogenabhängigen Tumoren formuliert.

Diese Auffassung wird durch folgende Fakten unterstützt:

Ein Kilogramm Hopfenzapfen enthält zwischen 25 und 60 mg des Phytoestrogens 8-Prenylnaringenin (8-PN). Dieses Phytoöstrogen bindet an die Estrogenrezeptoren des Rattenuterus. Die empfohlene Tagesdosis für Erwachsene beträgt für Hopfenzapfen 2 g. Es werden damit bis zu 120 µg 8-PN pro Tag zugeführt. Bei ovarektomierten Mäusen mussten jedoch 100 µg 8-PN /ml Trinkwasser zugeführt werden, um eine Stimulation des vaginalen Epithels zu erreichen.

In einer klinischen Studie nahmen zudem gesunde Frauen über fünf Tage vor einer Mammareduktionsplastik mit einem Hopfenextrakt täglich 0,3 mg 8-PN ein. Am Tag der Operation waren die in Blut und Brustgewebe gemessenen 8-PN-Konzentrationen äußerst gering. Damit ist belegt, dass die phytoestrogene Wirkung von Hopfen zu vernachlässigen ist, wenn die üblichen Tagesdosierungen nicht überschritten werden.

Direkt zum Phyto-Forum und eine eigene Frage stellen (nur für Fachkreise)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel

Es genügt ein Handy mit Vibrationsfunktion: An den Fuß eines Diabetespatienten gehalten, zeigt es Forschern zuverlässig an, ob dieser an einer peripheren Neuropathie leidet. mehr »

Pflegerat fordert 50.000 Stellen für die Krankenhäuser

Was hat die Pflegepolitik bewirkt? Die Meinungen sind gespalten: Gesundheitsminister Gröhe lobt die Erfolge der Koalition in der Pflegepolitik. Der Pflegerat hält dagegen. mehr »

Die Therapiekünste eines Kung-Fu-Meisters

Ein Kampfsportler stößt mit seinem Gesundheitskonzept bei Medizinern auf Interesse. Ein Arzt ist sogar geneigt, von einem Wunder nach der Therapie durch Chu Tan Cuong zu sprechen. mehr »