Ärzte Zeitung, 04.08.2004

Wie stark Kokain dem Herzen schadet, wird oft unterschätzt

Herzinfarkte bei jungen Menschen oft durch Drogen ausgelöst / Kokain ist ein potentes Sympathomimetikum / Wirkung durch Alkohol verstärkt

BÖBLINGEN (awa). Quer durch alle sozialen Schichten werden Cannabis, Amphetamine, Ecstasy und Kokain vor allem von jungen Menschen konsumiert. Diese Mode- und Designerdrogen machen aber nicht nur abhängig, sondern können je nach Substanz zu Blutdruck- und Herzfrequenzanstieg, Arrhythmien, pectanginösen Beschwerden bis hin zum Infarkt und plötzlichem Herztod führen.

Wenn zu Kokain Alkohol hinzukommt, wird es besonders gefährlich für Herz und Hirn. Foto: dpa

Das lebensbedrohliche kardio- und zerebrovaskuläre Gefährdungspotential wird häufig unterschätzt und verstärkt sich, wenn weitere Drogen, Nikotin oder Alkohol hinzu kommen. Das berichtet Dr. Horst Nebelsieck, Kardiologe am Kreiskrankenhaus Böblingen (MMW 12, 2004, 40). So kann zum Beispiel der regelmäßige Gebrauch von Cannabis indica (indischer Hanf) bei jungen Konsumenten nicht nur das Risiko für eine Schizophrenie steigern, sondern auch zum plötzlichen Herztod führen, Beinvenenthrombosen begünstigen oder disseminierte kleinere Hirninfarkte auslösen.

Bei Amphetaminen, die als "Speed" eine weit verbreitete Partydroge sind, gibt es besondere Risiken: Das kardio- und zerebrovaskuläre Risiko sei besonders hoch bei bereits existierenden, bis dahin stumm verlaufenden Erkrankungen wie Hypertonie, koronarer Herzerkrankung und angeborenen Erkrankungen wie Aneurysmen der Hirnbasisarterien, so Nebelsieck.

Am meisten werde in Deutschland die klassische Designerdroge Ecstasy konsumiert. Ecstasy ist eine Mischung aus verschiedenen Methylendioxyamphetaminen. Die Folgen von Ecytasy-Konsum für Herz und Hirn sind nach Angaben Nebelsiecks unter anderen Herzfrequenz- und Blutdruckanstieg, tachykarde Herzrhythmusstörungen und erhöhte Krampfneigung. Doch auch einen Herzstillstand, hämorrhagische Insulte und Subarachnoidalblutungen kann die Droge verursachen.

Nicht weniger harmlos sind die Folgen für Herz und Hirn, die das Kokain-Schnupfen haben kann: In den USA sind 30 Prozent aller drogenbedingten Notaufnahmen, die meisten der drogenbedingten Todesfälle und 25 Prozent aller nicht tödlichen Herzinfarkte in der Altersgruppe von 18 bis 45 Jahren auf den Gebrauch von Kokain zurück zu führen. Kokain ist ein potentes Sympathomimetikum. In Kombination mit Nikotin verstärken sich die vasokonstriktorischen Effekte und das kardiale Risiko steigt.

Außer den akuten Effekten führt Kokain auch zu Langzeitschäden wie Beschleunigung der Atherosklerose, Endokarditis und Aortendissektionen. In Kombination mit Alkohol entsteht Cocaethylen, das stärker als Kokain wirkt und länger anhält. Alleine diese Kombination fordere in den USA 1000 Drogentote pro Jahr, so Nebelsieck.

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