Ärzte Zeitung, 01.07.2005

Viele Patienten in Kliniken sind suchtkrank

"Abhängige Patienten werden häufig diskriminiert und nicht wirksam behandelt" / 6. Kongreß für Suchtmedizin

MÜNCHEN (sto). Abhängigkeitserkrankungen sind ein enormes Prob-lem unserer Gesellschaft. Sie werden aber immer noch weitgehend stillgeschwiegen, so der Suchtexperte Dr. Markus Backmund.

Trotz einiger positiver Tendenzen könne bei den Abhängigkeitserkran-kungen keine Entwarnung gegeben werden, sagte Backmund beim 6. Interdisziplinären Kongreß für Suchtmedizin in München.

Nach seinen Angaben konsumieren in Deutschland etwa 2,7 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich schädlichen Mengen, weitere 1,7 Millionen sind alkoholabhängig. An den Folgen des Tabakkonsums stürben jährlich etwa 110 000 Menschen. Die Zahl der Drogentoten sinke zwar, aber die Zahl der Cannabis-abhängigen Kinder und Jugendlichen sei inzwischen auf mehr als 250 000 gestiegen.

Das Problem wirkt sich natürlich auch auf die Arbeit in Praxen und Kliniken aus: Jeder fünfte stationäre Aufenthalt hierzulande stehe im Zusammenhang mit einer suchtassoziierten Erkrankung. Suchtkranke seien eine der größten Patientengruppen auf den internistischen, neurologischen, chirurgischen und gynäkologischen Stationen der Akutkrankenhäuser, erklärte Backmund, der den Bereich Suchtmedizin am Krankenhaus München-Schwabing leitet. Das Problem sei, daß diese Patienten wegen ihrer Abhängigkeit allzuoft diskriminiert würden mit der Folge, daß sie keine angemessene und wirksame Behandlung erhielten.

Gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung suchtkranker Menschen in der Gesellschaft vorzuge-hen, ist Suchtmedizinern ein besonderes Anliegen. Dazu wurde zum Beispiel der Verein AntiSTigma Aktion (AST) gegründet. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, Sucht als Krankheit verstärkt ins Bewußtsein der Gesellschaft zu rufen.

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