Ärzte Zeitung, 27.09.2006

Experten warnen vor Wasserpfeifen

Shishas sind unter Jugendlichen äußerst beliebt / Mehr Schadstoffe als in Zigaretten

MÜNCHEN (dpa). Im Münchner Restaurant "Pars" ist alles im persischen Stil eingerichtet. Zur Tradition dort gehört auch, nach dem Essen zusammen eine Wasserpfeife zu rauchen.

Ein junger Mann raucht in einer Bar in Hamburg eine Wasserpfeife. Die auch Shisha genannten Pfeifen aus dem Orient sind bei Jugendlichen angesagt. Foto: dpa

Die Shisha, wie die Wasserpfeife auch genannt wird, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. "Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben wir in diesem Jahr drei oder vier Mal so viele Besucher, die Wasserpfeife rauchen wollen", sagt Ali Angili, der Inhaber des Restaurants.

Wie viele Shisha-Raucher es inzwischen gibt, ist unklar. Weltweit, so schätzt das Deutsche Krebsforschungszentrum in einer Studie, genießen 100 Millionen Menschen den aromatisierten Tabak aus langen Schläuchen, vor allem in Nordafrika und Südwestasien.

Auch in Deutschland wird das Shisha-Rauchen unter Jugendlichen populärer. Das wachsende Interesse am gemeinsamen Inhalieren des mit verschiedenen Fruchtessenzen vermischten Tabaks zeigt sich an der steigenden Zahl von Shisha-Cafés. Für Deutschland listet etwa die Internetseite www.shisha-guide.info 184 Shisha-Cafés und 83 Shops auf.

Dabei sind sich die Konsumenten der schädlichen Wirkung des Shisha-Rauchens oft nicht bewußt. "Wasserpfeiferauchen ist kein harmloses Entspannungsritual", mahnt der bayrische Gesundheitsminister Werner Schnappauf (CSU). Tatsächlich werde beim Inhalieren von aromatisiertem Tabak viel mehr Nikotin aufgenommen als mit Zigaretten. "Die Wasserpfeife kann für Jugendliche schnell Einstiegsmittel in die Nikotinsucht werden", so der Minister.

Das belegt auch die Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Grundsätzlich seien die Substanzen im Rauch von Shishas und Zigaretten die gleichen. Gravierende Unterschiede gebe es aber in Quantität und Qualität. So lägen die Werte insbesondere von Beryllium, Chrom, Cobalt, Blei und Nickel im Rauch der Wasserpfeife um ein Vielfaches höher als im Zigarettenrauch.

Durch die Verwendung von Kohle beim Abbrennen des Tabaks könne zudem Kohlenmonoxid entstehen, das die Sauerstoffaufnahme ins Blut verhindert. Krebs in Lunge und Mundbereich sowie Herzerkrankungen sind mögliche Folgen.

Allerdings sind die Ergebnisse schwer vergleichbar. Denn Shisha raucht man in der Regel einmal am Tag. Eine halbe bis eine Stunde kann dann eine Sitzung dauern. Eine Zigarette raucht man in fünf Minuten.

Auch die Schweizer Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme warnt davor, die Wirkung der Wasserpfeife zu unterschätzen. Vor allem die weit verbreitete Annahme, die Schadstoffe würden durch das Wasser herausgefiltert, sei ein Irrtum.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »

Eine Milliarde Euro mehr für Ärzte? KBV ist "enttäuscht"

Die Vertragsärzte in Deutschland bekommen im nächsten Jahr knapp eine Milliarde Euro mehr an Honorar. Das ist das Ergebnis der Honorarverhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband. mehr »