Ärzte Zeitung, 05.12.2006

Alkohol-Entwöhnung auch ambulant erfolgreich

Erfolgsquote ist ähnlich hoch wie bei stationärem Aufenthalt / Münchener Studie mit 102 Alkoholabhängigen

BERLIN (gvg). Suchttherapeuten der Universität München haben in einer Studie bei 102 Alkoholabhängigen gute Erfahrungen mit einer rein ambulanten Entwöhnung gemacht. Die Erfolgsquote ähnelt jener bei stationärer Entwöhnung.

In der Studie wurden die Betroffenen, die alle einen Alkoholentzug hinter sich hatten, insgesamt über neun bis zwölf Monate in Einzel- und Gruppentherapie-Sitzungen betreut.

Pro Person gab es 80 bis 120 Therapiestunden, und zwar mit einem breiten Spektrum therapeutischer Verfahren: von der Verhaltenstherapie über Gestalttherapie und Klienten-zentrierte Gesprächstherapie bis hin zu Entspannungsübungen und Angehörigen-Schulungen. Erfolg oder Mißerfolg der Intervention wurde über 36 Monate nachverfolgt.

    56 Prozent blieben zwei Jahre abstinent.
   

"Drei von vier Betroffenen beendeten die Entwöhnung regulär. Der Rest brach wegen Rückfällen oder Problemen bei der Kostenübernahme ab", sagte der Psychiater Professor Michael Soyka aus Meiringen auf dem Psychiatrie-Kongreß in Berlin.

Die Langzeitergebnisse, die die Münchener erreichen konnten, zeigen, daß die ambulante Entwöhnung möglich ist und häufig Erfolg hat. Nach zwei Jahren waren noch 56 Prozent der ursprünglichen Teilnehmer abstinent. Von jenen, die die Entwöhnung erfolgreich beendet hatten, waren es sogar 69 Prozent.

Im dritten Jahr allerdings fiel diese gute Quote auf 44 Prozent ab. "Wir liegen damit auf einem klinisch befriedigenden Langzeitniveau, das in etwa dem entspricht, was bei einer stationären Entwöhnung erwartet werden kann", sagte Soyka.

Der Psychiater betonte, daß nicht jeder Alkoholabhängige für eine ambulante Entwöhnung in Frage komme. Geeignet sei der Ansatz vor allem bei intaktem sozialem Umfeld und für jene, die bereits eine berufliche Re-Integration begonnen hätten.

Daß das soziale Umfeld Probleme machen kann, zeigt die Beobachtung, daß jene, die in der Münchener Studie während der Entwöhnung rückfällig wurden, überproportional häufig ebenfalls alkoholkranke Partner hatten.

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