Ärzte Zeitung, 18.04.2008

Große Unsicherheiten bei der Drogensubstitution

Viele Ärzte haben Probleme mit der Dokumentation, der Überwachung der Urinabgabe und der Take-Home-Regelung

FRANKFURT/MAIN (Smi). Bei der Substitution von Heroinabhängigen mit Methadon in Hessen hat das Regierungspräsidium Darmstadt eine "erhebliche Unsicherheit" unter den Ärzten festgestellt.

Diese, so Reiner Herkner, Pharmaziedezernent des Präsidiums, betreffen sowohl Fragen der Dokumentation als auch die Überwachung der Urinabgabe und die Take-Home-Regelung. Auf einer Informationsveranstaltung in Darmstadt, an der fast die Hälfte der 217 substituierenden Ärzte in Hessen teilnahm, hatten die Kollegen Gelegenheit, Probleme aus der Praxis darzulegen und strittige Fragen zu klären.

Unterschiedliche Auffassungen hätten Ärzte zum Beispiel im Hinblick auf die Urinabgabe vertreten, berichtete Herkner im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Nicht jeder Kollege hält es offenbar für nötig, Sichtkontakt herzustellen. Dabei sei die Vorgabe der Aufsichtsbehörde eindeutig: "Urin darf nur unter direkter Beobachtung des Arztes abgegeben werden." Auch die Take-Home-Regelung sei "ein ganz heißes Thema" gewesen, so Pharmaziedezernent Herkner.

Laut Richtlinie der Bundesärztekammer muss ein Patient sechs Monate in ärztlicher Behandlung sein und darf drei Monate lang keinen gefährdenden Beigebrauch gehabt haben. Genau daran entzündete sich in Darmstadt die Diskussion: Sind Benzodiazepine in jedem Fall "gefährdender Beigebrauch" oder im Krankheitsfall zu gestatten?

Das Darmstädter Regierungspräsidium hat in sechs Jahren 21 Bußgeld- und elf Strafverfahren gegen substituierende Ärzte eingeleitet. In neun Fällen, so Herkner, hätten Ärzte versäumt, ihre Patienten zu melden - durch diese Regelung soll vermieden werden, dass sich Patienten bei zwei Ärzten mit Methadon versorgen. In neun Bußgeldverfahren sei es um die so genannte Konsiliarregelung gegangen; hier hätten substituierende Ärzte weder die erforderliche Zusatzqualifikation noch einen Konsiliarius vorweisen können.

Das Regierungspräsidium Darmstadt kontrolliert die ordnungsgemäße Ausstellung der Betäubungsmittelrezepte, außerdem prüft es, ob die substituierenden Mediziner über eine entsprechende Qualifikation verfügen.

Topics
Schlagworte
Suchtkrankheiten (2956)
Organisationen
Bundesärztekammer (3951)
Krankheiten
Suchtkrankheiten (4398)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Bei der Gründung eines Ärztezentrums kann es zugehen wie bei "Dallas"

Neid und Missgunst haben schon manche Versuche torpediert, in der Provinz ein Ärztezentrum zu etablieren. Ärzte in Schleswig-Holstein berichten, wie man verhindert, dass Kirchturmdenken siegt. mehr »