Ärzte Zeitung, 17.09.2008

Die Substanz


Gewinner des Prix Galien USA 2007. Kandidat für den Prix Galien International 2008.
Hier stellt sich der Kandidat vor.

Dualer Wirkmechanismus am Nikotinrezeptor

Champix® ist das erste nikotinfreie Medikament, das speziell für die Rauchentwöhnung entwickelt wurde.

Bis zu 140 000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen des Rauchens. Doch obwohl etwa 70 Prozent der Raucher motiviert sind aufzuhören, schaffen es nur ungefähr drei bis fünf Prozent mit reiner Willenskraft. Mit Vareniclin (Champix®) aber steigt einer Meta-Analyse zufolge die Wahrscheinlichkeit, nach einem Jahr noch abstinent zu sein. Und zwar steigt sie im Vergleich zu Placebo um mehr als das 3-fache, im Vergleich zu Bupropion um das 1,7-fache (BMC Public Health 6, 2006, 300).

Dieser Effekt kommt dadurch zustande, dass Vareniclin genau dort eingreift, wo die Abhängigkeit erzeugt wird: am α4β2-Acetylcholin-Rezeptor. Wenn Nikotin daran bindet, wird Dopamin ausgeschüttet und die Stimmung hebt sich. Bei einem Entzug beugt Vareniclin Rückfällen auf zweierlei Weise vor: Einerseits mindert es die Entzugssymptome und andererseits das Verlangen nach Nikotin.

Das doppelte Wirkprinzip hat sich bewährt.

Zentral dafür sind zwei Wirkkomponenten. Die eine ist agonistisch: Als partieller Agonist des Nikotins koppelt Vareniclin mit hoher Affinität und Selektivität an den Rezeptor. So stimuliert es ebenfalls die Dopaminfreisetzung, aber deutlich geringer als beim Rauchen. Dadurch fällt die Dopaminwirkung nach dem Ausstieg nicht vollständig weg. Folglich sind die Entzugssymptome und damit auch das Verlangen nach Nikotin abgeschwächt.

Andererseits besitzt Vareniclin eine antagonistische Komponente, die bei Rückfällen wichtig wird: Es konkurriert mit Nikotin um dieselbe Bindungsstelle am Rezeptor. Weil Vareniclin aber stärker haftet, wird Nikotin verdrängt. Das wiederum mindert den Genuss beim Rauchen und das damit einhergehende Belohnungsgefühl.

Die Wirksamkeit von Vareniclin wurde in Studien mit insgesamt mehr als 5000 Rauchern nachgewiesen. Zwei Phase-III-Studien ergaben: Die Zahl der Teilnehmer, die von der 9. bis zur 52. Woche kontinuierlich aufs Rauchen verzichteten, war unter Vareniclin mit 14 Prozent höher als unter einer Therapie mit Bupropion (6 Prozent). Eine weitere Studie belegt den Nutzen einer zweiten 12-wöchigen Behandlung im Anschluss an eine erste: Nach einem Jahr waren die Raten der kontinuierlichen Abstinenz mit Vareniclin um 7 Prozent größer als mit Placebo. Der Vergleich mit einem Nikotinpflaster ergab: Nach 12 Wochen Therapie mit Vareniclin war die Abstinenzrate signifikant höher als nach zehnwöchiger Behandlung mit Niquitin CQ® Clear. Allgemein wurde Vareniclin gut vertragen. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehörte Übelkeit, die jedoch meist nur zu Beginn auftrat und leicht bis moderat war.

Das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) empfiehlt Vareniclin deshalb für Erwachsene. In einer S3-Leitlinie zur Tabakentwöhnung bei COPD stellt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie fest: Die bisherigen Studien zu Vareniclin lassen auf eine nebenwirkungsarme, effektive Unterstützung schließen (Pneumologie 62, 2008, 255).

Weitere Beiträge zur Serie:
"Innovationen - Forschung in Deutschland und international"

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