Ärzte Zeitung online, 01.09.2008
 

Drogenbeauftragte: 0,2-Promille-Grenze und Alkoholverbot an Tankstellen

BERLIN (dpa). Die Bundes-Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) hält eine niedrigere Promillegrenze im Autoverkehr für sinnvoll. "Jede Verringerung im Bereich der Promillezahl ist ein Erfolg", sagte Bätzing der dpa. "Mir geht es vor allen Dingen darum, in der Gesellschaft einen Konsens zu erreichen, dass im Straßenverkehr Nüchternheit gilt."

Der Drogen- und Suchtrat, eine Expertengruppe, hatte eine 0,2-Promille-Grenze im Straßenverkehr statt 0,5 Promille vorgeschlagen. Ein nächtliches Alkoholverbot an Tankstellen hält Bätzing für ein weiteres mögliches Mittel im Kampf gegen Alkoholmissbrauch.

"Dass wir ein Problem haben, was den Alkoholverkauf an Tankstellen vor allem an Jugendliche angeht, das ist Fakt", sagte die Drogenbeauftragte. Die Länder müssten entscheiden, ob sie ein Verbot umsetzen. In Baden-Württemberg gilt es bereits. "Es gibt Gespräche mit dem Mineralölverband zur besseren Schulung des Personals, dass dort eine bessere Sensibilisierung entsteht, und zur Einführung eines neuen Kassensystems", sagte Bätzing. Solche Kassen seien eine Alternative zum Verkaufsverbot und fragten automatisch das Alter ab, damit der Ausweis gezeigt wird.

Keine Entwarnung bei Koma-Saufen

Die Drogenbeauftragte gab keine Entwarnung beim Trend zum Koma-Trinken unter Jugendlichen. "Der Alkoholkonsum stagniert in Deutschland auf hohem Niveau, aber steigt in der Gruppe derer, die Koma-Trinken praktizieren", sagte sie. "Die machen uns richtig Sorgen."

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen bis 20 Jahre, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kamen, hat sich von 2000 bis 2006 mehr als verdoppelt. Bätzing will auch den Alkoholmissbrauch bei Schwangeren eindämmen. "Jedes Jahr werden 4000 Babys mit fetalem Alkoholsyndrom, einer schweren, nicht heilbaren Behinderung geboren." Sie forderte mehr Aufklärung der Frauenärzte und Warn-Piktogramme auf Flaschen.

Bätzing hält die Selbstkontrolle der Wirtschaft bei Alkoholwerbung für zu lasch. "Es soll keine Fußballtrikots in Kindergrößen mehr geben mit der Werbung von Alkohol. Das hat da nichts zu suchen", sagte sie. "Wir haben eine Selbstregulierung, und keiner hält sich daran." Es gehe nicht um ein Werbe- oder ein Sponsoringverbot, die Alkoholwerbung müsse aber besser reguliert werden.

Bätzing bekräftigte ihre Forderung nach den umstrittenen jungen Testkäufern: "Es geht nicht darum, Kinder oder Jugendliche zu missbrauchen." Die Testkäufer, die die Einhaltung des Verkaufsverbots an Jugendliche überprüfen sollen, müssten laut Bätzing ein Mindestalter von beispielsweise 15 Jahre haben und würden nur mit Begleitung und auch nicht jeden Tag losgeschickt.

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