Ärzte Zeitung online, 05.01.2009

MHH: Glücksspiel weiter auf dem Vormarsch

HANNOVER (eb). Hannovers Glücksspieler haben im Jahr 2007 im Vergleich zu 2005 deutlich mehr Geld in den Spielhallen im Stadtgebiet verloren. Das teilt der Arbeitskreis gegen Spielsucht in Unna in seinem jüngst veröffentlichten Bericht mitteilt. 2007 wurden 23,3 Millionen Euro an Geldspielautomaten verloren. 2005 waren es noch 18,2 Millionen Euro. Parallel ist die Anzahl an Geldspielgeräten in Spielhallen und Gaststätten in Hannover ebenfalls um etwa 20 Prozent gestiegen auf 1 500 Geräte.

Glücksspiel weiter auf dem Vormarsch.

Foto: epd

Dr. Felix Wedegärtner von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) warnt vor dem Suchtpotenzial. "Es stehen mehr Geräte pro Fläche und diese sind häufiger ausgelastet", so Wedegärtner, wissenschaftlicher Leiter des Arbeitsbereichs Glücksspielsucht in der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der MHH.

"Bei den heute in Spielhallen verbreiteten Geldspielgeräten kann zudem mit sehr hohen Einsätzen gespielt werden, bis zu 20 Euro pro Ausspielung. In einem fünfsekündigen Moment können so mehrere tausend Euro gewonnen werden. Das schafft einen hohen Anreiz", so Wedegärtner in einer Mitteilung der MHH. "Dieses Glücksspiel ist nach meiner Auffassung in gleichem Maße suchtgefährdend wie das Glücksspiel in Spielbanken. Die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen für Spieler sind in Spielhallen aber wesentlich schwächer als in Spielbanken."

Der Arbeitskreis gegen Spielsucht gibt für 2005 an, die Stadt Hannover habe Vergnügungssteuereinnahmen in Höhe von 1,5 Millionen Euro gehabt. Für 2007 gibt die Stadt Hannover selber Einnahmen in Höhe von 2,2 Millionen Euro an.

"Dies entspräche einer Steigerung der Steuereinnahmen in Höhe von 47 Prozent in einem Zeitraum von zwei Jahren. Die Stadt nimmt von denjenigen Glücksspielern das meiste Geld ein, die beim Glücksspiel die Kontrolle über sich selbst verlieren", so Wedegärtner. "Diese Tatsachen müssen die Stadt daran erinnern, eine aktive Rolle im Schutz vor der Glücksspielsucht zu spielen."

Die Zahlen für das Jahr 2008 werden erst im Herbst 2009 veröffentlicht. Wedegärtner rechnet aber nicht mit einer rückläufigen Tendenz.

Die Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der MHH ist eine von 16 deutschen Schwerpunktberatungsstellen für Betroffene und Angehörige im Rahmen des Bundesmodellprojekts "Frühe Intervention bei pathologischem Glücksspiel". Die offene Suchtsprechstunde findet immer mittwochs und freitags statt.

Anmeldung zwischen 9 und 10 Uhr vor Ort in der MHH, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover

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