Ärzte Zeitung online, 19.01.2009

Hauptwirkstoff von "Spice" identifiziert

WIESBADEN (ots). Das Rechtsmedizinische Institut des Uniklinikums Freiburg und das Bundeskriminalamt (BKA) warnen vor dem Konsum von "Spice" und ähnlichen Produkten. Bei "Spice" handelt es sich um Mischungen aus getrockneten Pflanzenteilen, die als Räuchermischungen deklariert werden, tatsächlich aber als Ersatz für Cannabisprodukte Verwendung finden. Für Konsumenten sei nicht erkennbar, ob den Kräutermischungen synthetische, hochpotente Wirkstoffe zugesetzt wurden, teilt das BKA mit.

Wie gemeinsame Laboruntersuchungen des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg und des BKA belegen, enthält "Spice" als Hauptwirkstoff eine chemisch leicht modifizierte Form des synthetischen Cannabinoids "CP-47497". Dieser Vertreter aus der Gruppe der so genannten "nicht klassischen" Cannabinoide weist strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Hauptwirkstoff der Cannabispflanze, dem Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) auf, besitzt aber eine um ein Vielfaches erhöhte pharmakologische Potenz.

Das bisher in den Medien als alleiniger Wirkstoff in "Spice" genannte cannabimimetische Aminoalkylindol "JWH-018" konnte lediglich in einigen von der Rechtsmedizin Freiburg und dem BKA untersuchten "Spice"-Proben in vergleichsweise niedriger Konzentration nachgewiesen werden. In anderen "Spice"-ähnlichen Kräutermischungen war hingegen "JWH-018" als Hauptwirkstoff enthalten.

Die hohe Wirksamkeit der synthetischen Cannabinoide sowie die ungleichmäßige Verteilung der Wirkstoffe in den Kräutermischungen bergen das Risiko von Überdosierungen nach dem Rauchen von "Spice" und ähnlichen Produkten. Von einem mindestens mit Cannabis vergleichbaren Suchtpotenzial sei auszugehen.

Weiterhin können durch den Verbrennungsprozess beim Rauchen sowie durch Umsetzungen der Wirkstoffe im Körper toxische und potenziell krebserregende oder krebsfördernde Produkte gebildet werden. Es bestehe somit eine unmittelbare Gesundheitsgefährdung für die Konsumenten, so das BKA weiter.

Das BKA und das Institut für Rechtsmedizin Freiburg unterstützen mit kriminaltechnischen Untersuchungsergebnissen und polizeilichen Erkenntnissen aktiv das derzeit laufende Prüfverfahren beim Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Das BMG wolle zeitnah die festgestellten Substanzen unter das Betäubungsmittelgesetz stellen.

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