Ärzte Zeitung online, 06.03.2009

Alkoholtestkäufe mit Jugendlichen: Niedersachen ist Vorreiter

BERLIN (dpa). Im Kampf gegen illegalen Alkoholverkauf an Jugendliche werden in Deutschland immer mehr junge Leute als Testkäufer eingesetzt. Vor allem Niedersachen setzt verstärkt auf dieses Kontrollinstrument.

Auf Bundesebene war Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) 2007 mit solchen Plänen gescheitert. In anderen europäischen Ländern wie der Schweiz, Schweden oder in Großbritannien werden die Probekäufer schon seit längerem mit Erfolg eingesetzt.

Vor allem in Niedersachsen haben sich viele Städte mit der Polizei zusammengetan und schicken Jugendliche zum gezielten Alkoholkauf. Das Innenministerium gab im Herbst des vergangenen Jahres den Anstoß dazu. In allen großen Städten wie Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Göttingen und Osnabrück gab es schon mehrfach Testkäufe. In einem Großteil der Versuche (oft 60 bis 70 Prozent) war es für die Jugendlichen kein Problem, an Alkohol zu kommen.

Die Polizei und der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderten mehrfach, die Testkäufer überall einzusetzen. In Bremen sollen nach einem früheren Versuch erneut Tester losgeschickt werden. Vereinzelt wurde das Modell auch in Nordrhein-Westfalen genutzt.

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen in Deutschland überhaupt keinen Alkohol kaufen, Hochprozentiges gibt es erst ab 18 Jahren. Kritiker sagen, die Jugendlichen würden durch die Testkäufe zu illegalem Handeln angestiftet. Unter bestimmten Voraussetzungen sind die Tests trotzdem möglich. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) nennt Begleitung der Jugendlichen durch Beamte, die Schulung der Testkäufer und ein Mindestalter der Tester von 15 Jahren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »