Ärzte Zeitung, 08.06.2009

PKV sagt dem Komasaufen den Kampf an

Mit 50 Millionen Euro finanziert die private Krankenversicherung ein Projekt zur Alkoholprävention. Von einem Präventionsgesetz hält sie nichts.

Von Bülent Erdogan

Trinken aus Langeweile: Für viele Heranwachsende ist auch das ein Motiv für den Griff zur Flasche.

Foto: imago

BERLIN. Die private Krankenversicherung (PKV) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), beide mit Sitz in Köln, haben den Startschuss für ein Präventionsprojekt gegen Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen gegeben. Es steht unter dem Motto "Kenn dein Limit" und ergänzt das gleichnamige BZgA-Angebot für Erwachsene. Über einen Zeitraum von fünf Jahren finanziert die PKV das neue Projekt je mit insgesamt 50 Millionen Euro.

Zielgruppe sind Heranwachsende im Alter von 16 bis 20 Jahren. Sie sollen über Kinospots, das Internet und Aktionen in Schulen oder in Discos angesprochen werden.

"Der Trend zum exzessiven Trinken bei Jugendlichen ist nach wie vor ein großes Problem. Jeder fünfte Jugendliche war im vergangenen Monat mindestens einmal betrunken", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), bei der Vorstellung der Kampagne am Montag in Berlin. Im Jahr 2007 seien 23 000 Kinder und Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Im Vergleich zum Jahr 2000 sei diese Zahl um 143 Prozent gestiegen.

Bätzing beharrt auf den Einsatz von Teenagern als Testkäufer.

Bätzing forderte erneut den Einsatz von jugendlichen Testkäufern. Die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Caren Marks, hatte dies am Freitag allerdings als "Instrumentalisierung von Jugendlichen" abgelehnt. Vorausgegangen war ein ebenfalls negatives Votum der Innenminister von Bund und Ländern in dieser Frage.

PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach sprach von einem freiwilligen Beitrag der Branche, mit dem man auch ein Gegengewicht zu den immer wiederkehrenden Anläufen für ein Präventionsgesetz setzen wolle. "Eine erfolgreiche Präventionsarbeit braucht kein Präventionsgesetz", sagte Leienbach.

Generell gelte für die PKV, dass Prävention ein Individualanspruch sei und gesamtgesellschaftliche Aufgaben über Steuern finanziert werden sollten. Dennoch bekenne sich die PKV zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, so Leienbach. Die PKV hatte ihr Engagement bereits Anfang 2008 in Aussicht gestellt, dieses aber an die Bedingung geknüpft, dass es nicht zu einem Präventionsgesetz kommt (wir berichteten).

Leienbach verwies auf Erfolge der BZgA bei jugendlichen Rauchern. Ähnliches erwarte er für die nun angestoßene Kampagne: "Alkoholmissbrauch lässt sich durch Prävention erfolgreich bekämpfen", sagte er.

Alkoholmissbrauch ist nach den Worten von BZgA-Präsidentin Professor Elisabeth Pott keine Frage der sozialen Herkunft: "Es gibt beim Alkohol im Unterschied zum Tabak keine Festlegung auf eine soziale Schicht", sagte sie mit Blick auf den vergleichsweise hohen Raucheranteil unter Hauptschülern.

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