Ärzte Zeitung online, 25.06.2009

Neue Erkenntnisse zur Drogensucht wecken Hoffnungen

LISSABON (dpa). Gehirnforscher haben neue Erkenntnisse zur Drogensucht gewonnen, die den Weg für bessere Vorbeugung sowie wirksamere Behandlungsmethoden von Abhängigen ebnen könnten. Das geht aus einem Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) hervor, der am Mittwoch anlässlich des Internationalen Tags gegen Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel (am 26. Juni) in Lissabon veröffentlicht wurde.

Man habe nun ein besseres Verständnis der Prozesse, die beim Entstehen einer Suchterkrankung ablaufen, heißt es.

In einem Dokument mit dem Titel "Neurobiologische Drogenforschung: ethische und politische Konsequenzen" wird hervorgehoben, dass sich die Forschung bisher überwiegend auf die durch Drogen ausgelöste erhöhte Freisetzung des Neurotransmitters Dopamin konzentriert habe. Dopamin aktiviert im Gehirn das sogenannte "Belohnungssystem". Neue Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, dass möglicherweise auch Serotonin und Noradrenalin bei den Suchtprozessen eine Rolle spielen.

Derzeit erforschte Therapieansätze befassen sich den Angaben zufolge unter anderem mit Impfstoffen, die sich im Blut an die Zieldroge (zum Beispiel Kokain) binden und dadurch verhindern, dass diese in das Gehirn gelangt, sowie mit Implantaten, die die Droge langsam freisetzen und dadurch eine schrittweise Dosisreduzierung erlauben. Zudem erleichtern Gentests Wissenschaftlern die Suche nach Genen, die möglicherweise mit einer erhöhten Anfälligkeit für Suchterkrankungen in Verbindung stehen. Dank neuartiger Verfahren können Forscher zudem die Vorgänge im Gehirn beobachten und die dort ablaufenden Suchtprozesse näher beleuchten.

Viele der zur Zeit diskutierten Therapie-Ansätze seien allerdings noch nicht getestet worden und riefen grundlegende ethische Bedenken hervor, betont die EBDD. "Neben dem beachtlichen potenziellen Nutzen besteht auch die Gefahr möglicher schwerer Schäden", heißt es. Ein Missbrauch dieser neuen Ansätze könne vorliegen, wenn Abhängige zu Behandlungen gezwungen würden, die in hohem Maße invasiv oder gar schädlich seien, oder wenn die Privatsphäre verletzt werde.

"Obwohl auf Grundlage dieser Arbeit sicherlich neue Ansätze für Präventions- und Behandlungsstrategien entwickelt werden können, gibt es kein Allheilmittel für die komplexen Probleme, die dem Einzelnen und der Gesellschaft durch Drogenkonsum entstehen", so Direktor Götz. Obwohl die Behandlungsmöglichkeiten für einige Suchterkrankungen im Laufe der vergangenen zehn Jahre verbessert worden seien, seien die "in diesem Bereich verfügbaren therapeutischen Mittel insgesamt gesehen noch nicht ausreichend".

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