Ärzte Zeitung online, 09.12.2009

Würgen bis zur Ohnmacht: Tödliches Spiel in Kinderzimmern und Schulen

NEU-ISENBURG (eis/dpa). Durch Würgen bis zur Ohnmacht versetzen sich offenbar immer mehr Kinder und Jugendliche in einen gefährlichen Rausch. 13 junge Menschen sollen in Frankreich bereits in diesem Jahr an dem gefährlichen Würgespiel gestorben sein. Jetzt ist auch der erste Todesfall in Deutschland bekannt geworden.

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Foto: amridesign ©www.fotolia.de

Ein 14-jähriger Gymnasiast aus dem Havelland ist nach Presseberichten bei dem Würgespiel ums Leben gekommen. Seine Mutter habe den Jungen am vergangenen Freitag leblos gefunden worden, meldet die "Märkische Allgemeine". Er habe sich hingekniet, mit einem Strick kurzzeitig stranguliert und dabei offenbar das Bewusstsein verloren. "Der Computer lief noch, die Anleitung für das Spielchen soll dort noch abrufbar gewesen sein, mit dem sich nach Aussagen französischer Experten in jüngster Zeit vor allem Jungen einen Rausch verschaffen wollen", schreibt die Zeitung.

Ziel der Würge- oder Schalspiele ist es, bei sich selbst oder anderen so lange die Luft anzuhalten oder die Halsschlagader abzudrücken, bis das Bewusstsein schwindet. Das Gehirn erhält zu wenig Sauerstoff, was Jugendliche in einen rauschhaften Zustand versetzt. In den USA und Frankreich soll es schon zahlreiche Todesfälle gegeben haben.

In diesem Jahr seien allein in Frankreich 13 Kinder auf diese Weise ums Leben gekommen, hatte die Psychiaterin Marie-France Le Heuzey bei einer internationalen Tagung zu dem Thema in Paris erklärt. Schon Sechsjährige seien davon fasziniert, sich durch den Mangel an Sauerstoff in einen rauschähnlichen Zustand zu versetzen, meldet "Le Figaro". Dabei käme es immer wieder zu Unfällen, die teils als Selbstmorde gedeutet werden. Folgen der Strangulation können außer dem Tod auch epileptische Anfälle und irreversible Hirnschäden sein.

In Frankreich hat sich das als "Jeu du Foulard" (Halstuchspiel) bezeichnete Phänomen seit zehn Jahren an Schulen ausgebreitet, neuerdings auch unter Grundschülern. Dort haben betroffene Eltern inzwischen eine Selbsthilfegruppe gegründet, die Association de Parents d‘Enfants Accidentés par Strangulation (APEAS). Die Organisation rät, bei Jugendlichen auf mögliche Zeichen des Spiels zu achten: verdächtige Spuren am Hals, häufige starke und wiederauftretende Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche oder gerötetes Gesicht. Auch scheinbar grundlos herumliegende Bänder, Seile oder Gürtel in der Umgebung der jungen Menschen könnten Hinweise auf das Spiel sein. Die APEAS rät zudem, mit Kindern und Jugendlichen über die tödlichen Gefahren zu reden.

Weitere Informationen zur Prävention unter www.jeudufoulard.com

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