Ärzte Zeitung online, 16.04.2010

"Macht Kiffen verrückt?" - Selbsttest bei Cannabiskonsum

BERLIN (eb). "Macht Kiffen verrückt?" Das ist eine der häufigsten Fragen auf www.drugcom.de, dem Informations- und Beratungsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). zu Sucht und Drogen. Den Selbsttest "cannabis check" hat die BZgA deshalb durch einen neuen Fragebogen zu psychischen Erkrankungen ergänzt.

"Macht Kiffen verrückt?" - Selbsttest bei Cannabiskonsum

Piktogramm eines Hanfblatts. © Rui Vale de Sousa / fotolia.com

Tatsächlich weisen aktuelle Studien auf ein erhöhtes Psychose-Risiko bei Cannabiskonsum hin. Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland. Etwa jeder vierte Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren und beinahe jeder zweite junge Erwachsene hat schon einmal Cannabis konsumiert.

Die gesundheitlichen Risiken des Cannabiskonsums werden allerdings häufig unterschätzt. Neben dem Risiko einer Abhängigkeit wird seit längerer Zeit auch die Gefahr für psychotische Erkrankungen, zu der auch die Schizophrenie zählt, in der Wissenschaft diskutiert.

Aus diesem Grund hat die BZgA in ihrem Internetportal www.drugcom.de den Selbsttest "cannabis check", mit dem junge Menschen ihren Cannabiskonsum überprüfen können, durch einen Kurzfragebogen zu psychischen Erkrankungen ergänzt. Je nach Konsummuster und Risikoprofil bekommen die Nutzerinnen und Nutzer des "cannabis check" eine auf sie zugeschnittene Ausstiegsempfehlung. Hierzu gehört auch der Hinweis, das Programm "Quit the shit" für eine Konsumreduktion und den Ausstieg zu nutzen. "Quit the shit" wird ebenfalls auf dem Portal angeboten.

"Mit diesem zusätzlichen Angebot wollen wir gezielt junge Menschen, die Cannabis konsumieren, ansprechen und sie über die Gefahren der Entwicklung einer Psychose als Folge von Cannabiskonsum informieren", sagt Professor Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. "Psychotische Erkrankungen wie die Schizophrenie haben sehr einschneidende Auswirkungen auf die Gesundheit und soziale Entwicklung von Betroffenen, beispielsweise auf schulische und berufliche Entwicklungschancen. Davor wollen wir junge Menschen warnen. Der aktualisierte Selbsttest ist so angelegt, dass jeder seinen individuellen Konsum im Hinblick auf mögliche Risiken einordnen kann. Die Informationen werden nicht an Dritte weitergegeben, sondern dienen ausschließlich Betroffenen zur Selbsteinschätzung."

Schizophrenie ist eine sehr schwere Erkrankung, die vorwiegend junge Menschen betrifft. Damit einher geht immer ein Realitätsverlust, der durch Wahnvorstellungen wie Verfolgungswahn und Halluzinationen gekennzeichnet ist. Nach Angaben der WHO erkranken weltweit etwa 7 von 1000 Menschen an Schizophrenie.

Dem aktuellen Forschungsstand zufolge muss davon ausgegangen werden, dass insbesondere der regelmäßige Konsum von Cannabis das Risiko für den Ausbruch einer dauerhaften Psychose wie der Schizophrenie bei hierfür anfälligen Personen erhöht. Cannabis ist wahrscheinlich nicht die alleinige Ursache. Es kann aber im Zusammenspiel mit anderen Faktoren wie genetische oder erworbene Prädispositionen dazu führen, dass die Schwelle zur Psychose überschritten wird.

Dafür spricht auch, dass Studien auf einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang hinweisen: Je intensiver der Cannabiskonsum ist, desto wahrscheinlicher wird der Ausbruch einer Psychose. Die BZgA sensibilisiert deshalb Cannabis konsumierende für mögliche Folgen und bietet konkrete Hilfen zum Ausstieg aus dem Cannabiskonsum an.

Informationen zu Cannabis, der "cannabis check" und das Ausstiegsprogramm "Quit the shit" stehen auf www.drugcom.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »