Ärzte Zeitung online, 30.07.2010

Rauchverbote in der Öffentlichkeit schützen Kinder

BOSTON (mut). Rauchverbote in der Öffentlichkeit schützen Kinder offenbar vor den Gefahren durch Passivrauchen. So haben Kinder in Regionen mit Rauchverboten deutlich weniger Nikotin-Abbauprodukte im Blut als Kinder in Regionen ohne Verbote.

Rauchverbote in der Öffentlichkeit schützen Kinder

Besser weg mit den Zigaretten, wenn Kinder in der Nähe sind.

© Niefhoff / imago

Eine Studie von US-Forschern gibt nun neuen Zündstoff für die Diskussion um Rauchverbote. Sie konnten nachweisen, dass in US-Landkreisen mit strikten Rauchverboten - etwa in Restaurants, Einkaufszentren öffentlichen Plätzen oder gar privaten Autos - die Belastung durch Passivrauchen bei Kindern deutlich niedriger ist als in Landkreisen ohne solche Einschränkungen.

Dazu haben Wissenschaftler um Dr. Melanie Dove von der Harvard School of Public Health in Boston Blutproben von knapp 11 500 Kindern und Jugendlichen aus 117 US-Landkreisen analysiert. Im Blickpunkt standen die Serum-Konzentrationen von Cotinin, einem langlebigen Nikotin-Abbauprodukt. Gemessen wurde Cotinin in vier Untersuchungsphasen zwischen 1999 und 2006.

Bei Kindern und Jugendlichen aus Nichtraucher-Haushalten ergab sich dabei folgendes Bild: Obwohl in diesen Haushalten niemand rauchte, ließ sich Cotinin bei 54 Prozent der Minderjährigen nachweisen, die in Landkreisen ohne Rauchverbote lebten. Dagegen fand sich Cotinin nur bei 25 Prozent der Minderjährigen in Landkreisen mit strikten Rauchverboten. Als nachweisbar galten dabei Cotinin-Werte von über 0,05 ng/ml. Auch waren die absoluten Cotinin-Konzentrationen in Landkreisen mit Rauchverboten etwa um die Hälfte niedriger als in Kreisen ohne solche Verbote.

Bemerkbar machte sich zudem, dass im Untersuchungszeitraum immer mehr US-Staaten und Landkreise strikte Nichtraucher-Schutzvorschriften einführten. So sank insgesamt der Anteil der Kinder und Jugendlichen in den USA mit Cotinin im Blut von 64 Prozent im Jahr 2000 auf 49 Prozent im Jahr 2006 - bezogen jeweils auf Nichtraucher-Haushalte. In Raucherhaushalten hatten praktisch alle Kinder nachweisbare Cotinin-Spiegel, unabhängig von den lokalen Schutzvorschriften.

Nach Auffassung von Dove sind Rauchverbote ein wirksames Mittel, um zumindest Kinder aus Nichtraucherhaushalten besser zu schützen. Das Hauptproblem für die Passivrauchbelastung bleiben aber qualmende Eltern. In der Studie hatten etwa 20 Prozent der Kinder Raucher als Eltern. Passivrauchen ist für Kinder besonders gefährlich, da sie schneller atmen als Erwachsene und sich ihre Lungen noch entwickeln, berichten die Autoren (Pediatrics 2010; 126: 80).

Lesen Sie dazu auch:
Bayern hat bundesweit strengstes Rauchverbot

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