Ärzte Zeitung online, 02.08.2010

Schweiz diskutiert Straffreiheit für harte Drogen

BERN (dpa). Heroin- und Cannabis-Abhängige könnten in der Schweiz schon bald völlig unbehelligt ihrer Sucht nachgehen. Eine von der Berner Regierung beauftragte Expertengruppe schlug am Montag die "Entkriminalisierung" auch harter Drogen vor.

"Drogenkonsum soll nicht mehr mit dem Strafrecht verfolgt werden", forderte der Chef der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen (EKDF), François van der Linde. Wenn Alkoholiker oder Tablettensüchtige nicht belangt würden, müsse dies auch für Konsumenten anderer Drogenarten gelten.

Die Vorschläge sind Teil eines neuen Grundlagen-Papiers zum Thema "Herausforderung Sucht". Das Bundesamt für Gesundheit untersucht derzeit eine mögliche Umsetzung. Van der Linde sieht den Vorstoß als Beitrag zu einem "grundsätzlichen Nachdenken über Drogen und Süchte". Die Gesellschaft müsse wegkommen vom Gedanken, dass es böse und gute Süchte gebe, sagte er der Schweizer Nachrichtenagentur SDA.

Vermeintlich harmlose Drogen wie Alkohol richteten in der Summe einen größeren Schaden an als vermeintlich "kriminelle" Drogen wie Heroin. Bei der Bekämpfung von Suchtproblemen sei nicht allein der Gesetzgeber gefragt, sagte van der Linde. Auch Hersteller und Verkäufer von "Produkten mit Suchtpotenzial" müssten mehr in die Pflicht genommen werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Weg frei für GroKo-Gespräche – Schulz verspricht Nachverhandlungen

Es war eine Zitterpartie: Weniger als 60 Prozent der SPD-Delegierten auf dem Parteitag stimmten Gesprächen zur Bildung einer große Koalition zu. Nun soll weiterverhandelt werden – auch in Sachen Gesundheit. mehr »

Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel

Es genügt ein Handy mit Vibrationsfunktion: An den Fuß eines Diabetespatienten gehalten, zeigt es Forschern zuverlässig an, ob dieser an einer peripheren Neuropathie leidet. mehr »

Pflegerat fordert 50.000 Stellen für die Krankenhäuser

Was hat die Pflegepolitik bewirkt? Die Meinungen sind gespalten: Gesundheitsminister Gröhe lobt die Erfolge der Koalition in der Pflegepolitik. Der Pflegerat hält dagegen. mehr »