Ärzte Zeitung, 18.01.2012

Es wird wieder mehr gequalmt - trotz höherer Tabaksteuer

WIESBADEN (dpa). Deutschlands Raucher lassen sich von der höheren Tabaksteuer die Lust am Qualmen nicht nehmen. Im Gegenteil: Der Absatz von Zigaretten, Feinschnitt, Zigarren und Pfeifentabak stieg im vergangenen Jahr um 8,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden berichtete.

Der Fiskus profitierte, die Einnahmen aus der Tabaksteuer kletterten auf ein Rekordhoch: Die Raucher in Deutschland bezahlten für ihr Laster knapp 14,5 Milliarden Euro Steuern und damit über eine Milliarde Euro (8,4 Prozent) mehr als 2010. Im Vorjahr waren die Einnahmen aus der Tabaksteuer noch um 1,5 Prozent gesunken.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr Tabakwaren mit einem Kleinverkaufswert im Handel von 24,5 Milliarden Euro versteuert - ein Plus von rund 2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr.

Vor allem vor den beiden Steuererhöhungen im Mai 2011 und zum 1. Januar 2012 stiegen die Absatzmengen deutlich an. Die Statistiker gehen daher von Hamsterkäufen aus: Der Handel wolle seine Kunden länger günstiger bedienen.

Gutes Konsumklima

Nach den Angaben stieg der Absatz der mit Steuerzeichen verkauften Zigaretten im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent auf 87,6 Milliarden Stück.

Die versteuerte Absatzmenge von Pfeifentabak legte sogar um mehr als ein Fünftel (+ 21,1 Prozent) zu. Auch bei Zigarren und Zigarillos (plus 6,3 Prozent) sowie bei Feinschnitt zum Selber-Drehen (plus 6,1 Prozent) griffen die Raucher stärker zu als im Vorjahr.

Der Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) begründete die Entwicklung mit dem allgemein guten Konsumklima und den steigenden Beschäftigtenzahlen im vergangenen Jahr.

"Die moderate Tabaksteuererhöhung im Mai 2011 hatte den fiskalisch erwünschten Effekt, die Staatseinnahmen zu steigern", sagte VdR-Hauptgeschäftsführer Franz Peter Marx.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde die Steuer auf Zigaretten 2011 um durchschnittlich 2,1 Prozent erhöht, auf Feinschnitt um durchschnittlich 11,0 Prozent.

Weitere Preissteigerungen

Damit reagierte der Staat auf einen Trend, der die Steuereinnahmen in den Jahren zuvor schmelzen ließ: Immer mehr Raucher waren von relativ teuren Zigaretten auf günstigeren losen Tabak zum Selberdrehen umgestiegen - das drückte auch die Steuereinnahmen nach unten.

Die Tabaksteuererhöhung der schwarz-gelben Koalition wird Glimmstängel in den kommenden Jahren weiter verteuern: Bis 2015 steht eine jährliche Preissteigerung um vier bis acht Cent bei einer Zigarettenpackung mit 19 Stück an.

Feinschnitt verteuert sich nach VdR-Angaben gleichzeitig um jeweils 12-14 Cent pro 40-Gramm-Packung. Die Maßnahmen sollen Raucher abschrecken, gleichzeitig aber einen Beitrag zur Konsolidierung des Staatshaushaltes liefern.

Mit der jüngsten Erhöhung zum Jahreswechsel stieg der Tabaksteueranteil pro Packung Zigaretten nach früheren Angaben des Deutschen Zigarettenverbands von 3,58 Euro (19 Stück, Packungspreis 4,90 Euro) auf 3,65 Euro (19 Stück, Preis 5 Euro).

Der Gesamtsteueranteil für den Staat pro Zigarette liege weiterhin durchschnittlich bei 73 Prozent.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »