Ärzte Zeitung, 23.09.2012

C2-Abusus

Rückfallrisiko im MRT bestimmt

BERLIN (eb). Mit Magnetresonanztomografie kann das Rückfallrisiko von trockenen Alkoholikern näher bestimmt werden. Das zumindest haben Forscher der Charité Berlin in einer kleineren Studie gefunden.

Rückfallrisiko von Alkoholikern im MRT bestimmt

Rückfall? Trockene, aber hoch gefährdete Alkoholiker können eventuell früh indentifiziert und so besser untestützt werden.

© Udo Kroener / fotolia.com

Die Wissenschaftler wiesen nach, dass im Gehirn von rückfälligen Alkoholpatienten strukturelle und funktionelle Auffälligkeiten vorkommen (Archives of General Psychiatry 2012; 69(8): 842-852). Sie hatten 46 entgiftete Alkoholpatienten - Männer und Frauen - sowie eine gleich große Kontrollgruppe untersucht.

Mit struktureller Bildgebung bestimmten sie die anatomische Beschaffenheit der Gehirnsubstanz, außerdem mit funktionellen Methoden die elektrischen Signale in Reaktion auf alkoholassoziierte Reize.

Graue Substanz im Frontalhirn ist ein Marker

Nach drei Monaten waren 30 Studienteilnehmer rückfällig geworden und 16 weiterhin abstinent. Es stellte sich heraus, dass die Rückfallpatienten im Vorderhirn verstärkt graue Substanz verloren hatten. Diese Areale sind mit Verhaltensregulierung und Emotionskontrolle assoziiert.

Zudem wurden bei Rückfallpatienten andere Gehirnregionen als bei den abstinenten aktiviert, und zwar solche, die mit der Aufmerksamkeitslenkung assoziiert sind.

Im Gegensatz dazu waren bei den abstinenten Alkoholpatienten Hirnbereiche aktiviert, die Widerwillen-erzeugende (aversive) oder bedeutsame (saliente) Reize verarbeiteten.

Diese Besonderheit bei den abstinent gebliebenen Patienten fungiere möglicherweise als Warnsignal und verhüte den Rückfall bei einer Konfrontation mit Alkohol, vermuten die Autoren um Dr. Anne Beck.

Zukünftige Studien könnten Faktoren der Alkoholabhängigkeit, wie genetische Mechanismen, mit in Betracht ziehen. So wäre es möglich, besonders rückfallgefährdete Menschen zu identifizieren und therapeutisch zu unterstützen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »