Ärzte Zeitung, 17.10.2012

Hilfsangebot in Bochum

Eine Ambulanz für Online-Süchtige

Junge Erwachsene, die an Internet- oder Computerspielsucht leiden, finden Hilfe in der Ambulanz für Medienabhängige an der Uniklinik Bochum. Jetzt will die Klinik ein Netzwerk auch für Jugendliche und Kinder aufbauen.

Von Anja Krüger

Eine Ambulanz für Online-Süchtige

Jugendlicher in der Nacht vor dem Computer. Immer mehr junge Menschen leiden an Online-Sucht.

© Epibrate Images / fotolia.com

BOCHUM. Depressionen, Ängste, Aufmerksamkeitsstörungen oder eingeschränkte Aktivität - das können Begleiterscheinungen einer Internet- oder Computerspielsucht sein.

Für Betroffene ab 18 Jahren und ihre Angehörigen hat die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bochum Anfang Oktober eine Ambulanz für Medienabhängige eingerichtet.

Sie ist die erste Einrichtung dieser Art im Ruhrgebiet. In einigen Großstädten wie Berlin oder Hamburg gibt es vergleichbare Ambulanzen.

Geräte nicht einfach wegnehmen

Studien zufolge sind mehr als eine halbe Million Menschen nicht dazu in der Lage, den Gebrauch von Online-Spielen, Cyber-Sex-Angeboten oder sozialen Netzwerken zu kontrollieren.

In der Sprechstunde der Bochumer Ambulanz klärt der ärztliche Psychotherapeut Dr. Bernt te Wildt zunächst ab, ob der Ratsuchende tatsächlich ein Suchtproblem hat oder nicht.

"Entscheidend ist nicht, wie viele Stunden jemand online verbringt, sondern ob er unter einem wirklichen Suchtverhalten mit Kontrollverlust leidet", sagt te Wildt.

Entzugserscheinungen können sogar wie bei einer substanzgebundenen Sucht Nervosität, Schwitzen oder Zittern sein. "Manche Abhängige haben depressive Verstimmungen bis zur Suizidalität", sagt der Arzt.

Andere werden aggressiv bis zur Fremdgefährdung, wieder andere ängstlich. Nicht selten sind Betroffene fehlernährt und leiden unter den Folgen von Bewegungs- und Lichtmangel.

Die Geräte einfach wegzunehmen, ist keine gute Idee. "Das Absetzen muss gut vorbereitet sein", sagt er.

"Völlige Abstinenz ist illusorisch"

Ab November bietet die Klinik Betroffenen eine spezifische Gruppentherapie an. "Viele Patienten werden darüber hinaus aber auch noch einer Gruppentherapie bedürfen."

Die Klinik will ein Netzwerk mit Therapeuten aufbauen, darunter auch Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherpeuten für jüngere Patienten. Sie arbeitet auch mit bestehenden Einrichtungen im Ruhrgebiet zusammen, die Spielsüchtige behandeln.

"Eine völlige Abstinenz ist illusorisch", sagt der Arzt. Patienten müssten sich darüber klar werden, was genau sie im Internet abhängig macht - und lernen, es zu meiden.

Das sind zum Beispiel Online-Rollenspiele, durch die Teilnehmer in eine Parallelwelt abdriften.

Auch Cyber-Sexsucht ist verbreitet. Betroffene rufen zum Beispiel immer wieder Pornografieseiten auf oder verbringen Stunden mit der Suche nach dem perfekten Bild.

Teilweise nehmen die Betroffenen via Webcam auch Kontakt zu Stripperinnen oder anderen Personen auf.

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