Ärzte Zeitung online, 24.01.2014

Komplikationen

Was Raucher nach der Op erwartet

Bei Rauchern ist mit deutlich mehr postoperativen Komplikationen zu rechnen als bei Nichtrauchern. Das Spektrum reicht von Infektionen und Wundheilungsstörungen über neurologische Komplikationen bis zu Intensivaufenthalten.

Was Raucher nach der Op erwartet

Zigaretten weg! Wer im Vorfeld einer geplanten Operation aufhört zu rauchen, der senkt sein Risiko für postoperative Komplikationen.

© Sergey Khamidulin / fotolia.com

KOPENHAGEN. Dass Tabakkonsum einzelne postoperative Ergebnisse negativ beeinflussen kann, ist vielfach gezeigt worden. Einen Überblick über alle zu erwartenden Komplikationen haben jetzt dänische Ärzte zusammengestellt.

Sie werteten in einer Metaanalyse alle seit dem Jahr 2000 publizierten Studien aus, in denen postoperative Komplikationen bei Rauchern mit denen von Ex- oder Nichtrauchern verglichen worden waren (Ann Surg 2014; 259: 52).

Die 107 Studien stammten größtenteils aus Europa oder den USA und umfassten Eingriffe an Bauch, Thorax, Brust, Kopf, Hals und in der Mundhöhle sowie aus der plastischen und Allgemeinchirurgie plus Transplantationen.

Erwartungsgemäß war bei den Rauchern nach der Op die allgemeine Morbidität erhöht, und zwar um gut 52 Prozent, wenn alle Studien einbezogen wurden, und um 75 Prozent, wenn nur Studien berücksichtigt wurden, in denen eine Risikoadjustierung stattgefunden hatte. Wundkomplikationen traten bei qualmenden Patienten sogar mehr als doppelt so oft auf wie bei den tabakabstinenten (+115 bzw. +149 Prozent).

Das Risiko für Infektionen jeglicher Art war, je nach Datenbasis, um 54 Prozent oder 105 Prozent erhöht. Bei den Lungenkomplikationen betrug die Risikosteigerung durchs Rauchen 73 oder 146 Prozent. Neurologische Komplikationen nahmen ebenfalls zu, und zwar um 38 oder 71 Prozent. Raucher mussten außerdem nach der Operation um 60 Prozent häufiger intensivmedizinisch behandelt werden als Nichtraucher.

Auf die postoperative Mortalität hatte der Tabakkonsum insgesamt keinen Einfluss. Allerdings ergab sich ein 30-prozentiger Anstieg, wenn nur Studien mit bereinigtem Risiko ausgewertet wurden.

Keine Unterschiede zwischen Rauchern und Nichtrauchern zeigten sich in Bezug auf kardiovaskuläre Komplikationen, Blutungen, Leckage von Anastomosen und Transplantatabstoßung.

Welcher Art der durchgeführte Eingriff war, änderte nicht prinzipiell etwas an den beschriebenen Zusammenhängen. Allerdings war die aufs Rauchen zurückzuführende Zunahme der postoperativen Mortalität bei Transplantationen am höchsten.

Dagegen bestand das größte Risiko für tabakbedingte Lungenkomplikationen offenbar bei bauchchirurgischen Eingriffen. Bei Operationen am Thorax wurden die allgemeine Morbidität und pneumologische Komplikationen besonders gefördert.

Für chirurgische Patienten lässt sich aus diesen Ergebnissen zweierlei ableiten, wie die Studienautoren um Marie Gr¢nkjaer von der Universität Kopenhagen schreiben: Sie sollten vor der Operation aufhören zu rauchen, um ihr Risiko für postoperative Komplikationen zu senken.

Wenn ihnen das nicht gelingt, könnte es sinnvoll sein, den postoperativen Verlauf besonders sorgfältig zu beobachten, um etwaige Probleme frühzeitig zu entdecken. (BS)

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