Ärzte Zeitung, 07.08.2014

Epigenetik

Rauchen schadet DNA des Kindes

Raucht eine Schwangere, kann das einer Studie zufolge die DNA des Kindes beeinflussen.

BERLIN. Gestörtes Wachstum, Lungenfehlfunktionen und Geburtsdefekte wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalte - Rauchen während der Schwangerschaft kann schlimme gesundheitliche Folgen für die heranwachsenden Föten haben. Wie kommt es dazu?

Epigenetische Markierungen des Erbguts ("Methylgruppen") fungieren wie kleine Merkzettel. Je nachdem, ob sie an bestimmten Regionen der DNA kleben oder nicht, werden Gene an- oder abgeschaltet, herauf- oder herunterreguliert.

In einer erschienenen Studie (Environ Health Perspect 2014; online 6. Juni) wiesen Christina Markunas und ihre Kollegen vom National Institute of Environmental Health Sciences (Forschungscampus Triangle Park, USA) nun nach, dass Rauchen die Markierungen durcheinander bringen kann, meldet laborwelt.de.

Von knapp 900 Müttern der Studie gaben 287 an, während der Schwangerschaft geraucht zu haben. Das Erbgut der Neugeborenen von rauchenden und nicht rauchenden Müttern wurde an bestimmten Stellen, den CpG-Inseln, auf die Existenz der epigenetischen Markierungen untersucht. Obwohl bei den meisten Stellen keine Unterschiede im Methylierungsmuster festgestellt wurden, fanden sich an immerhin 185 Stellen signifikante Veränderungen.

Darunter waren Stellen, die zu zehn Genregionen gehören, die unter anderem auch die Entwicklung der Plazenta und des Embryos steuern. Auch waren Genregionen betroffen, die mit der Ausprägung einer Nikotinabhängigkeit und der Fähigkeit, mit dem Rauchen aufzuhören, in Verbindung gebracht werden. Zufall?

Schon lange ist bekannt, dass Kinder von Rauchern mit einer höheren Wahrscheinlichkeit nikotinabhängig werden als Kinder von Nichtrauchern. Die vorliegende Studie legt nahe, dass rauchende Mütter ihren Kindern schon vor der Geburt eine Hypothek fürs Leben mitgeben - und zwar in Form eines durcheinandergewirbelten (Merk)Zettelkastens. (eb)

[21.04.2017, 11:52:31]
Stefan Graf 
Nicht nur während der Schwangerschaft
Da bereits die Ei- bzw. Samenzellen rauchender Eltern in spe veränderte epigenetische Regulationsmuster aufweisen, sollten BEIDE Partner nicht erst mit Beginn der Schwangweschaft, sondern möglichst lange vor der Zeugung das Rauchen aufgeben. Rauchende Zeugungswillige geben ihrem Nachwuchs einen gehörigen Rucksack an Krankheitsrisiken mit auf den Lebensweg. Rauchen WÄHREND der Schwangerschaft ist pränatale Kindesmisshandlung!

Dr. Sefan Graf zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »