Ärzte Zeitung, 09.11.2016

Rauchentwöhnung per App

Smokerface schockt

Rauchen ist ungesund und raubt Lebenszeit. Doch wen stört das schon? Medizinische Fakten scheinen vor allem Jugendliche kaum zu beeindrucken. Was wirklich zählt, ist die Eitelkeit.

Von Ellen Jahn

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Rauchen – der Anfang ist leicht, das Aufhören wird meist sehr schwer.

© ra2 studio / fotolia.com

FRANKFURT / MAIN. Bei Jugendlichen dreht sich fast alles ums gute Aussehen. Deshalb hat der Medizinstudent Titus Brinker aus Bünde mit seiner Smokerface-App ins Schwarze getroffen. Die App ist kostenlos für iOS und Android herunterzuladen. Nach dem Download macht man ein Selfie von sich und lässt das Selbstporträt virtuell in die Raucherzukunft transformieren. Gezeigt wird das eigene Gesicht in 3D, so wie es in einem, drei, sechs, neun oder zwölf Jahren aussehen könnte – bei täglichem Genuss einer Packung Zigaretten.

"Der beschleunigte Altersprozess durch das Rauchen ist beeindruckend dargestellt", erklärte Professor Helmut Gohlke, Vorsitzender der Projektgruppe Prävention bei der Deutschen Herzstiftung e.V., die das Internetprojekt zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung fördert.

Vom Smokerface zum Smokerstop

Wer beim Anblick seines fiktiven Raucherportraits direkt mit dem Rauchen aufhören will, erhält sogleich gratis die Smokerstop-App angeboten, die ebenfalls von Brinker entwickelt wurde. Der Medizinstudent ist an der Medizinfakultät Gießen als Dozent für ein Tabakentwöhnungswahlfach tätig und engagiert sich seit Jahren in Schulen für eine altersgerechte Aufklärung. Immerhin fangen 90 Prozent der Raucher im Teenageralter an.

Mit der Entwicklung seiner Smokerface-App hat er einen Weg gefunden, über die Eitelkeit die Aufmerksamkeit von Jugendlichen zu gewinnen. Die App will Jugendliche nicht verängstigen, sondern altersgerecht informieren. Offenbar interessieren sich Teenies mehr für Selfies als für Lungenkrebs.

Im Smokerstop-Programm wird der oder die Aufhörwillige per App individuell bei der Entwöhnung unterstützt – man gibt sein individuelles Rauchverhalten und seine persönlichen Ziele ein. Auf dieser Basis bekommt der Teilnehmer ein individuelles Feedback und kann "in Echtzeit" zuschauen, wie er sich nach dem Rauchstopp erholt. Zusätzlich gibt es kompetente Beratung zu erfolgversprechenden Strategien und beispielsweise zur Vermeidung von Gewichtszunahme.

Gealtertes Raucherselfie schockiert

"Raucherentwöhnung ist eine beratungsintensive Intervention, wirksame Medikamente zur Entwöhnung sind in den meisten Fällen altersbeschränkt und werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht vergütet", erläuterte Gohlke beim gemeinsamen Kongress für Sportmedizin und kardiovaskuläre Prävention und Rehabilitation der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation (DGPR). Mit der App scheint Brinker einen Nerv getroffen zu haben. Attraktivität ist das große Thema unter Zehn- bis 15-Jährigen. Deshalb erschüttert das "gealterte Raucherselfie" mehr als Fotos von Folgeerkrankungen oder gar Statistiken.

Wie groß das Interesse ist, zeigen die Downloads: Die Smokerface-App wurde in sechs Monaten bereits über 700.000 auf Smartphones installiert. Auch Ärzte können nach Ansicht von Gohlke ihren Patienten die kostenlose App gut empfehlen.

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