Ärzte Zeitung, 12.04.2017

Arzneimittelsuch

Abhängigkeit auf Rezept?

Von Wolfgang van den Bergh

Die Zahlen sind alarmierend. 1,2 bis zwei Millionen Menschen sollen abhängig von Arzneimitteln sein, schreibt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Die Schätzungen zeigen, wie intransparent der Markt ist.

Ginge es um das Verordnungsgeschehen auf GKV-Rezept, wäre das systematische Erfassen und Auswerten sicherlich einfacher. Glaubt man dem Bremer Gesundheitsforscher Professor Gerd Glaeske, verlagern sich die Verordnungen zunehmend auf Privatrezept.

Warum? Etwa aus Angst vor Regressen oder den Patienten zu verlieren? Wenn dies ein Trend sein sollte, würden damit Bestrebungen konterkariert, über den Medikationsplan mehr Transparenz und mehr Patientensicherheit zu gewährleisten. In diesen Kontext gehört auch das Thema Multimedikation und dessen Auswirkungen.

Fakt ist: Nur durch präzise Indikationsstellung, den gezielten Einsatz von Arzneien und das Gespräch mit dem Patienten lassen sich solche Entwicklungen verhindern. Das gilt für die Verordnung auf GKV- und Privatrezept und vor allem für den OTC-Bereich.

Gerade hier sollte der Arzt das Vertrauen seines Patienten gewinnen. Ein Werbeverbot für rezeptfreie Arzneien mit Missbrauchspotenzial ist da wenig zielführend.

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