Ärzte Zeitung online, 19.12.2018

Online-Beratung

Hilfe für den Rauchstopp während der Schwangerschaft

Tabakkonsum während der Schwangerschaft gefährdet das Kind. Hilfe gibt es bei einem kostenlosen Online-Projekt.

Von Marco Mrusek

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Rauchen in der Schwangerschaft stellt einen bedeutenden Risikofaktor für das Kindeswohl dar.

© andriano_cz / Getty Images / tStock

HEIDELBERG. Drei Viertel aller Schwangeren, die vor der Empfängnis geraucht hatten, rauchen auch während der Schwangerschaft weiter. Und das auch größtenteils bei folgenden Schwangerschaften. Diese Ergebnisse einer Studie unter US-Amerikanerinnen stellte Professor Anil Batra vom Universitätsklinikum Tübingen bei der 16. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle vergangene Woche in Heidelberg vor.

Der indirekte Tabakkonsum bleibt für die späteren Neugeborenen nicht ohne Folgen: Rauchen stelle eine bedeutsame vermeidbare Ursache für Fehlbildungen von Neugeborenen dar, erläuterte Batra. Außerdem sei die Zigarette in der Schwangerschaft der bedeutsamste veränderliche Risikofaktor für plötzlichen Kindstod. Und: Noch bis in die Jugend der Kinder ließen sich psychosoziale Folgen des mütterlichen Zigarettenkonsums nachweisen.

Die möglichen Krankheitsfolgen vom Rauch in der Schwangerschaft seien, präzisierte der Psychiater, Asthma, eine Abortquote von bis zu 33 Prozent, Infektionen, Frühgeburten, Koliken und ein geringeres Geburtsgewicht. Fehlbildungen träten auf in Form von Gastroschisis, Spalten und skelettalen Fehlbildungen an Händen, Füßen und Schädel.

Erhöhte Wahrscheinlichkeit für geistige Behinderungen

In den ersten acht Lebensjahren hätten die Kinder ein zehn bis 15 Prozent höheres Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen, generell Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen sowie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für geistige Behinderungen.

Um diese gesundheitlichen Folgen für die Kinder von rauchenden Schwangeren zu vermeiden und die Mütter bei ihrem Rauchstopp zu unterstützen, stellte Batra ein Programm zur Onlineberatung von Schwangeren vor, das an der Universitätsklinik Tübingen beheimatet ist und unter Batras Leitung steht. Neben Unterstützung für die Entwöhnung vom Rauchen bietet es auch Hilfe beim Verzicht auf Alkohol während der Schwangerschaft.

Das Programm soll eine individualisierte, risikoadaptierte internetbasierte Intervention zur Verringerung des Alkohol- und Tabakkonsums bei Schwangeren, kurz Iris, darstellen.

Auch Entspannung und Ernährung im Fokus

Iris biete verschiedene Module, die Informationen und Übungen nicht nur zu den Themen Rauchen und Alkohol, sondern auch zu Entspannungsmöglichkeiten, Ernährung und wohltuenden Aktivitäten in der Schwangerschaft bereitstellen. Es gebe interaktive Online-Übungen und bei Bedarf eine Beratung per E-Mail. Die Teilnahme an Iris sei anonym und kostenlos.

Die einzelnen Module ließen sich ausdrücklich in freiwilliger Reihenfolge und nach Bedarf der Schwangeren sowie dem Partner bearbeiten, erklärte Batra. Es habe sich als hilfreich ergeben, bei der Entwöhnung den Partner der Schwangeren mit anzusprechen, da diese häufig in einem ähnlichen Maß von Tabak und Alkohol betroffen seien und deshalb die Entwöhnung positiv sowie negativ beeinflussen können.

Batra wies in Heidelberg darauf hin, dass sich eine Telefonberatung der Schwangeren als nicht erfolgreich herausgestellt habe. Die Konsequenz daraus sei, dass in einem nächsten Schritt eine Smartphone-App zur Tabak- und Alkoholentwöhnung für das Projekt Iris geschaffen werden solle.

Iris

  • steht für individualisierte, risikoadaptierte internetbasierte Intervention zur Verringerung des Alkohol- und Tabakkonsums bei Schwangeren.
  • ist anonym und kostenlos.
  • wird betreut von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen, Sektion Suchtmedizin und Suchtforschung.
  • ist im Internet zu finden unter: https://www.iris-plattform.de/

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Williger Geist, schwaches Fleisch

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