Ärzte Zeitung, 11.02.2004

Verhalten des Lebenspartners beeinflußt Fibromyalgie-Schmerz

Starke Zuwendung ist eher ungünstig, Ablenkung eher günstig / Stationäre Therapie plus Verhaltenstraining mit Lebenspartner ist sinnvoll

MANNHEIM (bd). Wenn Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom (FMS) Lebenspartner haben, die sich ihnen stark zuwenden und sie kaum ablenken, so können sich dadurch die Schmerzen der Patienten verstärken. Durch ein spezielles Training, das den Lebenspartner einbezieht, ist es möglich, den Betroffenen zu helfen.

Da schmerzt es häufig bei Fibromyalgie
Prozentuale Häufigkeit von druckschmerzhaften Reaktionen an typischen Druckpunkten bei Patienten mit Fibromyalgie

An bestimmten Punkten haben Fibromyalgie-Kranke oft Schmerzen. Wer die Punkte kennt, dem fällt die Diagnose leichter. Foto: ÄZ

Wie Untersuchungen der Psychologin Dr. Kati Thieme und ihrer Kollegen vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim zu FMS ergeben haben, ist ein besonders fürsorgliches Verhalten der Partner die Hauptvoraussetzung für einen ungünstigen Umgang der Patienten mit Schmerzen. Ein weiteres Ergebnis: Ungünstiger Umgang mit Schmerz kann die Krankheit offenbar nicht verursachen, aber verstärken.

Wie Thieme bei einer Veranstaltung des ZI in Mannheim sagte, lassen sich bei der Schmerzverarbeitung drei Patientengruppen unterscheiden: Eine Gruppe von Patienten haben sehr starke Schmerzen und Einschränkungen im Alltag bei starker Zuwendung des Partners, zwei Drittel haben zudem Angststörungen. Patienten einer weiteren Gruppe haben geringere Schmerzen und Einschränkungen bei eher bestrafendem Partnerverhalten, drei Viertel dieser Patienten sind depressiv. Patienten einer dritten Gruppe haben wenig Schmerz und Einschränkung, werden vom Partner oft abgelenkt und haben wenig psychische Störungen.

Im ZI wurden zudem Therapieansätze bei den Patienten geprüft. Die besten Erfolge wurden bei FMS-Patienten mit einer operanten Schmerztherapie erzielt. Diese Therapie besteht aus einem Gesundheitstraining, bei dem die Lebenspartner beteiligt waren. Es wurde schmerzverstärkendes Verhalten im Alltag ausfindig gemacht, dann wurden Strategien zu dessen Abbau entwickelt. Zu diesen Strategien gehört Physiotherapie, Wiederaufnahme von körperlicher Aktivität, Genuß und Entspannung.

Mit einem fünfwöchigen stationären Training gab es bessere Ergebnisse als mit einem ambulanten über 15 Wochen plus niedrigdosierten Antidepressiva. Verglichen wurde mit Patienten, die nur Physiotherapie und Antidepressiva bekamen. 15 Monate nach der Therapie hatten 65 Prozent der Patienten mit dem stationären Training weniger Schmerzen und geringere Einschränkungen.

Die Arztbesuche verringerten sich im Vergleich zu vor der Therapie um mehr als die Hälfte, die Krankenhaustage um 80 Prozent. Mit ambulanter Therapie hatte etwa ein Drittel von der Behandlung profitiert. Keine Besserung gab es in der Kontrollgruppe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »