Ärzte Zeitung, 03.05.2004
 

Nervenschmerz - keine Angst vor Antikonvulsiva!

Kollegen sind bei der Verordnung von Antikonvulsiva zurückhaltend / Vier Millionen Deutsche haben Nervenschmerz

FRANKFURT AM MAIN (hbr). Viele Krebspatienten haben Nervenschmerzen, oft auch eine Mischung aus nozizeptivem und neuropathischem Schmerz. Patienten mit Nervenschmerz brauchen eine besondere Arzneitherapie, deren wesentliche Komponenten Antidepressiva, Antikonvulsiva und Opioide sind. Einer Umfrage bei Fachärzten zufolge gibt es jedoch bei der adäquaten Schmerztherapie noch Defizite.

Jede fünfte Mastektomie-Patientin entwickelt ein Post-Mastektomie-Syndrom - "ein klassisches neuropathisches Schmerzsyndrom", so Dr. Rainer Freynhagen von der Uni Düsseldorf beim Schmerztag in Frankfurt am Main.

Einer Umfrage zufolge haben insgesamt etwa vier Millionen Menschen in Deutschland Nervenschmerzen, also neuropathische Schmerzen, denen ein Schaden an schmerzleitenden und verarbeitenden Strukturen zugrunde liegt. Etwa zehn bis 15 Prozent dieser Patienten haben zusätzlich nozizeptive Schmerzen, sind also von einer Mischung betroffen, dem sogenannten "Mixed-Pain-Syndrom".

"Hierunter fallen enorm viele Tumorpatienten", sagte Freynhagen bei einem Symposium von Janssen-Cilag. Die Anteile der beiden Schmerzarten variieren dabei je nach Patient und Situation.

Gegen nozizeptive Schmerzen stehen etwa NSAR, Coxibe und Opioide zur Verfügung. Bei neuropathischen Schmerzen werden Antidepressiva, Antikonvulsiva und in den vergangenen Jahren zunehmend langwirksame Opioide verordnet wie transdermales Fentanyl (Durogesic®), von dem die weiterentwickelte Version als Matrixpflaster Durogesic® SMAT ab heute verfügbar ist.

Was Kollegen in Deutschland bei neuropathischen Schmerzen verordnen, wurde in einer Umfrage bei 300 Ärzten erhoben. Das Ergebnis: Antikonvulsiva verordnen Neurologen zu 43 Prozent, Allgemeinärzte zu acht und Onkologen zu 30 Prozent.

Da scheine es noch "Berührungsängste" zu geben, so Freynhagen. Opioide verordnen 16 Prozent der Allgemeinärzte, 18 Prozent der Endokrinologen, 39 Prozent der Palliativmediziner und 52 Prozent der Onkologen.

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