Ärzte Zeitung, 27.08.2004
 

Score-Test und Blut-Test erübrigen oft weitere Thrombosediagnostik

Wells-Test in Kombination mit einem D-Dimer-Test gelingt in wenigen Minuten

BONN (ikr). Mit der Kombination eines Score- und eines Bluttests läßt sich die Differentialdiagnostik bei Patienten, die über einen spontan auftretenden Schmerz in der Wade beim Stehen oder Sitzen klagen, deutlich verkürzen. Mit diesem Verfahren, das die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie in ihren vor kurzem aktualisierten Leitlinien empfiehlt, kann eine Venenthrombose in wenigen Minuten praktisch ausgeschlossen werden.

Nur etwa 25 Prozent der Patienten, die wegen des Verdachts auf eine tiefe Venenthrombose (TVT) zur weiteren Diagnostik an Fachkollegen überwiesen werden, haben nach Studiendaten tatsächlich eine Thrombose, sagte Professor Eberhard Rabe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, zur "Ärzte Zeitung".

Viel häufiger sei ein LWS-Syndrom oder eine bakterielle Entzündung Ursache der Beschwerden. Effektiver sei es daher, vor einer weiteren TVT-Diagnostik wie der farbkodierten Duplexsonographie den Wells-Test in Kombination mit einem D-Dimer-Test zu machen.

Wells-Test ermittelt Thrombose-Wahrscheinlichkeit
Parameter
Punkte
Aktives Malignom
1
Lähmung, kürzliche Immobilisation durch Gelenkfixation (Gips...)
1
Kürzliche Bettlägerigkeit (>3 Tage) oder große Operation
1
Schwellung des ganzen Beines
1
Differenz der Unterschenkeldurchmesser von >3cm
1
Eindrückbares Ödem (mehr in symptomatischem Bein)
1
Sichtbare oberflächliche nicht-variköse Kollateralvenen
1
Alternative Diagnose wahrscheinlicher als tiefe Venenthrombose
-2
Score-Auswertung
Geringe Wahrscheinlichkeit
<1
Mittlere Wahrscheinlichkeit
1-2
Hohe Wahrscheinlichkeit
>=3
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Phlebologie, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Wird beim Score-Test nach Wells kein Punkt erreicht, beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine tiefe Venenthrombose nur fünf bis zehn Prozent.

Beim Wells-Test werden Faktoren bewertet, die die Wahrscheinlichkeit für eine TVT erhöhen oder verringern. Für eine TVT sprechen etwa ein Malignom, ein eindrückbares Ödem, Immobilisation der Beine (Lähmung) oder eine Differenz der Beinumfänge (> 3 cm auf Höhe der Wade). Pro Faktor gibt es einen Punkt. Für Faktoren, die gegen eine TVT sprechen, gibt es Minuspunkte. Kommt in der Summe kein Punkt zustande, beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine TVT nur fünf bis zehn Prozent.

"Fällt bei einem solchen Patienten auch noch der D-Dimer-Test negativ aus, kann auf weitere TVT-Diagnostik verzichtet werden", so Rabe. D-Dimere sind Fibrinspaltprodukte, die bei der Fibrinolyse entstehen. Bei einer Blutkonzentration von < 500 µg/l gilt eine Thrombose als sehr unwahrscheinlich. Den Test gibt es als Schnell-Test (SimpliRed®). Das Ergebnis ist in zwei Minuten da.

Wie der Wells-SCORE genau funktioniert, läßt sich im Internet in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie nachlesen: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/phle-tvt.htm

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