Ärzte Zeitung, 11.05.2005

BUCHTIP

Viel Wissen über Schmerzen

Schmerzen sind etwas sehr Reales. Und sie sind etwas sehr Individuelles, denn sie werden im Gehirn abhängig von vielen Einflußgrößen erzeugt. Dadurch steht ihre Stärke, etwa im Rücken, oft in keinem Verhältnis zum Ausmaß der Gewebeschädigung, zum Beispiel von Bandscheiben oder Nerven.

Schmerzen unterliegen der Bedeutung, die man ihnen zuschreibt, und damit auch von Alter, Geschlecht und Kultur. Ängstlichkeit und das Gefühl der Bedrohung tragen ebenso dazu bei wie andere Menschen: Kinder, die sich weh getan haben, sehen als erstes zu ihren Eltern hin, Personen mit fürsorglichem Ehepartner beschreiben stärkere Schmerzen als jene mit gleichgültigem Partner.

Doch die anfangs ausgezeichnete, wenn auch unangenehme Reaktion, die bei Gefahren schützt und alarmiert, kann ins Gegenteil umschlagen, Aktivität und Lebensfreude drastisch einschränken. Dies geschieht, wenn bei anhaltenden Schmerzen spezielle Neuronen immer leichter erregt werden und das Gehirn die "Schmerzmelodie" zunehmend besser spielt.

Eine Hilfe zum Ausstieg aus diesem Teufelskreis bieten die beiden australischen Autoren Butler und Moseley, und zwar in erster Linie durch Aufklärung und Verständnis, getreu ihrem Motto "Wissen ist ein sehr wirksames Mittel gegen Schmerz". Untermalt von den humorvollen Cartoons des australischen Künstlers Sunyata erläutern sie Entstehung, Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen nach den neuesten Erkenntnissen der Schmerzforschung.

Außerdem stellen sie modernes Schmerzmanagment vor, das eine Rückkehr ins normale Leben erleichtert. Freilich richtet sich das Buch nicht nur an die Patienten selbst, sondern auch an Ärzte und Therapeuten, damit sie ihr Wissen in Gesprächsstrategien und Behandlungskonzepte einbauen können. (ars)

David Butler, Lorimer Moseley, Schmerzen verstehen, Springer-Verlag, Heidelberg, 2005, 150 Seiten, 100 Abb., 34,95 Euro, ISBN 3-540-21211-6.

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