Ärzte Zeitung, 14.11.2005

Botulinumtoxin löst diffuse Krämpfe in der Speiseröhre

Patient mit Ösophagus-Spasmen und Dysphagie wurde erfolgreich behandelt / Toxin-Injektionen in die Speiseröhrenmuskulatur via Endoskop

MÜNCHEN (hsr). Bei Patienten mit anfallsartigen, Minuten andauernden retrosternalen Schmerzen und Schluckproblemen kann ein diffuser Ösophagus-Spasmus die Ursache der Beschwerden sein. Endoskopische Injektionen von Botulinum- toxin A in die Speiseröhre können dann eine vielversprechende Option sein.

Zu dieser Einschätzung kommen Dr. Martin Storr und seine Kollegen von der Uniklinik Großhadern. Die Gastroenterologen berichten von einem 67jährigen Patienten, der seit fast vier Jahren - vor allem bei physischen und psychischen Belastungen - immer wieder anfallsartig drei bis fünf Minuten dauernde, heftige retrosternale Schmerzen bekam.

Nach zwei Hüben Nitro-Spray und Einnahme des Analgetikums Tramadol ließen die Schmerzen kurzfristig nach (Dtsch Med Wochenschr 130, 2005, 266).

Mehrfache kardiologische Untersuchungen hatten zwar einen Hypertonus, aber keinen Hinweis auf eine koronare Herzkrankheit ergeben. Zusätzlich zur Hochdruck-Therapie mit einem AT-II-Antagonisten, Betablocker und Kalzium-Antagonisten wurde der Mann wegen des Verdachts auf ein ängstlich-depressives Syndrom mit einem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer behandelt.

Nach dem sicher war, daß die Schmerzen nicht mit einer Herzkrankheit assoziiert waren, wurde der Patienten mit Protonenpumpenhemmern behandelt - ohne Erfolg.

Bei Untersuchungen des Ösophagus wie Manometrie und Röntgen-Breischluck wurden intermittierende simultane Kontraktionen im mittleren und distalen Speiseröhrenabschnitt festgestellt - und damit die Diagnose diffuser Ösophagusspasmus.

Nach Angaben der Kollegen gibt es derzeit keine einheitlichen Empfehlungen zur Therapie bei diffusem Ösophagus-Spasmus, "überzeugende therapeutische Strategien fehlen". Da über gute Erfolge mit Botulinumtoxin-Injektionen berichtet worden war - das Toxin reduziert die Kontraktibilität - und weil der Patient über zunehmende dysphagische Beschwerden geklagt hatte, entschieden sich die Gastroenterologen für dieses Verfahren.

Die Kollegen spritzten Botox® endoskopisch über eine Sklerosierungsnadel in zehn Portionen tief in die Ösophagusmuskulatur. Schon am nächsten Morgen hatte der Patient keine retrosternalen Schmerzen mehr. Essen konnte er ohne dysphagische Beschwerden und, wie er berichtete, "jetzt ohne Gluckern".

Dieser Therapie-Erfolg halte nun bereits seit mehreren Monaten an, so Storr. Lasse die Wirkung jedoch nach, womit zu rechnen sei, rät er, Botulinumtoxin A erneut zu injizieren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »